Gorbach verteidigt Gudenus: Umvolkungs-Sager sei "unbedarft" aber zu unterstützen
- Für Vizekanzler Gedankengut von Gudenus "tadellos"
- Opposition zeigte sich von Gorbach-Aussage schockiert
Vizekanzler Gorbach hat sich am Mittwoch hinter den Obmann des Rings Freiheitlicher Jugendlicher, Johann Gudenus, gestellt, der im Zusammenhang mit der steigenden Zahl von Einbürgerungen vor einer "Umvolkung" gewarnt hatte. Gorbach meinte, die Äußerung sei vielleicht "unbedarft" gewesen, der Inhalt sei aber zu unterstützen. Die Opposition zeigte sich schockiert von der Aussage des Vizekanzlers.
Es gehe nicht darum, über einzelne Worte zu reden, sagte Gorbach. "Mir ist das Gedankengut wichtig, und das ist bei Gudenus sicherlich tadellos". Der Vizekanzler gab dem Wiener FPÖ-Obmann recht, der gemeint hatte, die Österreicher dürften nicht zu einer Minderheit in Österreich werden.
Die Grünen sparten nicht mit Kritik an Gorbach. "Wenn der Vizekanzler der Republik Österreich NS-Diktion verteidigt, ist er untragbar", sagte Bundessprecher Van der Bellen. Der Grünen-Chef erwartet sich nun von Bundeskanzler Schüssel "eine sofortige Distanzierung und Klarstellung". In der NS-Diktion bezeichnete der Begriff "Umvolkung" die geplante Veränderung der rassischen Zusammensetzung der Bevölkerung in Polen und in der Tschechoslowakei zum überwiegend "Nordischen" hin.
Als "skandalös und untragbar" bezeichnete SPÖ- Bundesgeschäftsführer Darabos die Aussage Gorbachs. "Derartige Anleihen aus der Nazi-Propaganda als 'vielleicht unbedarft' aber inhaltlich unterstützenswert zu bezeichnen, ist ein Skandal, der nicht hingenommen werden darf", so Darabos. Der SPÖ- Bundesgeschäftsführer forderte Schüssel auf, zur "unfassbaren Entgleisung" seines Vizekanzlers Stellung zu nehmen. "Hier kann nicht einfach zur Tagesordnung übergegangen werden." (apa)
