Mittwoch, 7. April 2004

Geschenktes Glück: Wie private Vereine internationale Adoptionen organisieren

  • Der Weg zum Kind: Alle Tipps und Behördenwege.
  • Plus: Das miese Geschäft der Babyhändler-Mafia.

Die „Schwangerschaft“: Das lange Warten auf das neue Familienmitglied

Mangalas Mutter ist kurz nach der Geburt des kleinen Mädchens gestorben. Ihr Vater hat sie in Indien in einem Waisen-haus abgegeben. Tesfaye wurde als Säugling in Äthiopien vor einer Kirche ausgesetzt. Ein Polizist fand ihn und rettete so sein Leben. Und Alexej verbrachte sein erstes Lebensjahr in einem Kinderdorf in Russland. Sie alle sind Kinder, die in ihrem Heimatland keinerlei Chance auf Elternliebe bekommen hätten.

Seit November 2003 lebt Mangala nun in Oberösterreich. Tesfaye ist waschechter Niederösterreicher. Und auch Alexej ist vor fünf Wochen bei seinen neuen Eltern in Wien eingetroffen. Alle sind heute heiß ersehnte Wunschkinder von Österreichern, die sich zur Adoption eines ausländischen Kindes entschieden haben.

Kindersegen aus dem Ausland. Ein Entschluss, der zumeist dann gefällt wird, wenn die Adoptionsbewerber aus medizinischen Gründen keine eigenen Kinder bekommen können und anhand der Bewerberlisten der Jugendämter klar wird, dass die Inlandsadoption mit jahrelangen Wartezeiten verbunden ist. So konnten im vergangenen Jahr in Wien trotz anonymer Geburt und Babyklappe nur 30 Kinder zur Adoption freigegeben werden. Dem gegenüber steht eine Warteliste von 170 Adoptionswilligen. In manchen Teilen Österreichs beträgt die Wartefrist für inländische „Wunschkinder“ bis zu sieben Jahre. Während dadurch im Bereich der Inlandsadoptionen die Zahlen seit Jahren stagnieren, steigen jene der Auslandsadoptionen signifikant: So wurden allein im Vorjahr rund 100 Kinder zu österreichischen Staatsbürgern, die kürzere „Wartezeit“ begünstigt trotz vieler Hürden die Adoptiv-Einbürgerungen.

Das Emotionsthema Adoption, oft genug gepaart mit der Verzweiflung darüber, keine eigene Kinder kriegen zu können, betrifft wesentlich mehr Paare als angenommen. Jedoch: Viele der „Wunscheltern“ geraten in ein Dickicht aus Bürokratie oder in die Hände von gut getarnten Kinderhändlern. Umso glücklicher sind jene, die das Prozedere auf legalem Weg hinter sich gebracht haben. NEWS hat vier Familien porträtiert, die es geschafft haben, sich ihren Kinderwunsch zu erfüllen. Und gleichzeitig einem Kind Zukunftsperspektiven zu bieten.

Ein Traum wird wahr. Gabriele, 30, und Peter H., 41, hatten bereits bei einem Indien-Urlaub vor sieben Jahren mit dem Gedanken einer Adoption gespielt. Vor drei Jahren scheiterte dann der Versuch, ein leibliches Kind zu bekommen. Rasch war der Entschluss gefasst, ihrer früheren Idee zu folgen. „Das Geschlecht war uns egal. Nur sollte das Kind nicht über eineinhalb Jahre alt sein“, erinnern sie sich an den Jänner 2002 zurück. Nur fünf Monate später erhielt das Ehepaar das erste Foto ihrer wenige Wochen alten Tochter Mangala. Bis sie das kleine Mädchen endlich nachhause nehmen durften, sollte es jedoch noch elf lange Monate dauern. „Diese Zeit war der Horror für uns“, erzählt Gabriele H., „irgendwann habe ich es nicht mehr ausgehalten und bin nach Indien gefahren. Dort habe ich Mangala das erste Mal gesehen, musste jedoch ohne sie wieder nachhause. Es war hart, mein Kind allein zu lassen.“ Erst im November 2003 gab die indische Behörde grünes Licht und dem Paar im Rahmen einer Zeremonie das zierliche Mädchen, dessen Name übersetzt „viel Glück“ bedeutet.

Eine „problemlose Geburt“, die aber der organisierten Vorarbeit eines Vereins zu verdanken ist.

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PLUS: Alle Tipps für Adoptionen im In- und Ausland
PLUS: Babyhandel: Wie die Kinder verkauft werden

7.4.2004 16:58