Mittwoch, 7. April 2004

Kanzler geht in die Offensive. Schüssel: „Mein Kurs ist goldrichtig“

  • Katastrophenstimmung nach Serienniederlagen in der ÖVP

ÖVP In der Dauerkrise. Nach tödlichem Bruderkrieg in der Steirer-VP & dramatischen Wahlverlusten: Fällt nach Salzburg nun auch die VP-Bastion Steiermark an die SPÖ ?

Jedem Karfreitag folgt die Auferstehung, hoffentlich auch für uns“, fleht Landeshauptfrau Waltraud Klasnics steirische ÖVP in dieser Karwoche um Hilfe von ganz oben. Am Beispiel der Steiermark: Es knirscht und kracht in Länder„bastionen“ von Bundeskanzler Wolfgang Schüssel.

Nach Salzburg und Kärnten „ist jetzt mit der Steiermark das nächste Kapitel in der ÖVP-Tragödie geschrieben worden“, spricht Tirols Arbeiterkammer-Präsident Fritz Dinkhauser aus, was Tausende Funktionäre der Kanzlerpartei quer durch die Republik mit immer größerer Fassungslosigkeit und Besorgnis sehen. Nur einer, nämlich der Chef selbst, Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, bleibt trotz allem cool und wischt jegliches Krisen-Gestammel vom Tisch:

„Alles ist bewältigbar, alles ist lösbar. Mit Mut, mit Führungsstärke – genau so, wie es Waltraud Klasnic uns allen gerade jetzt vorzeigt“, so der Kanzler im NEWS-Interview (siehe rechte Seite), um zugleich seine in den ÖVP-Reihen zunehmend kritisierte Regierungs-Philosophie zu unterstreichen und festzuhalten: „Wir sind auf dem goldrichtigen Weg!“

Regieren – mit bröckelnder Fassade. Tatsächlich hat sich die VP-Realität seit November 2002, als Schüssel seinen Sensationswahlsieg einfuhr und er als Triumphator zum zweiten Mal als Bundeskanzler auf dem Wiener Ballhausplatz Platz nahm, dramatisch verschlechtert. Die Reformarbeit für Österreich („speed kills“) führte 2003 zu bis dahin nicht mehr gekannten sozialpolitischen Auseinandersetzungen, Streiks und Demonstrationen auf der Straße. Die Rechnung für den seit damals anhaltenden Frust der Bevölkerung, für die Verunsicherung bei Pensions- und Steuerreform, bekommen Schüssel & Co mit Zeitverzögerung seit Anfang 2004 umso deutlicher von den Österreichern präsentiert:

  • Im März ging der Kanzlerpartei das ÖVP-Stammland Salzburg erstmals seit 1945 verloren, samt Landeshauptmann.

  • In Kärnten pulverisierte Jörg Haider Schüssels ÖVP-Filiale, und der Kanzler musste zur Kenntnis nehmen, dass – so wie in Salzburg – seine bislang geniale Strategie des für die ÖVP seit 2000 so positi-ven Wähleraustausches von FPÖ-Stimmen ins eigene Lager plötzlich nicht mehr funktioniert. Im Gegenteil, in den Ländern machen „blaue“ Wähler im Zweifelsfall wieder die SPÖ stark.

    Schüssel sieht das viel weniger dramatisch als viele seiner ÖVP-Kollegen: „Zugegeben, Kärnten ist wirklich schlecht gelaufen, sinnlos, drüber zu philosophieren. Aber am selben Tag, als auch Salzburg verloren ging, haben wir in Tirol bei den Gemeinderatswahlen Bastionen der SPÖ und der FPÖ geknackt und sensationell abgeschnitten. Also bitte, nur nicht den Überblick verlieren!“

    Die ganze Story lesen Sie im neuen NEWS
    PLUS: Schüssel im NEWS-Interview: „Ich bin kein kalter Kanzler, sondern einer mit viel heißem Herz ...“
    PLUS: LH Klasnic: „Ich weiß, die Steirer vertrauen mir“

    7.4.2004 16:50