Donnerstag, 8. April 2004

Ferrero-Waldner vor Auslandspresse: "Ich verstehe Portugiesisch und Brasilianisch"

  • Verzicht auf Amtsvilla, Sommervilla und Pomp
  • Plus ONLINE-UMFRAGE: Wer soll Klestil folgen?

Die beiden Bundespräsidentschafts-Kandidaten Benita Ferrero-Waldner und Heinz Fischer stellten sich am Donnerstag den Fragen der ausländischen Presse. Neben diversen politischen Themen ging es natürlich auch um die berüchtigten Fremdsprachenkenntnisse der Außenministerin. Für Staunen sorgte Ferrero mit der Aussage, dass sie "Portugiesisch und Brasilianisch" beherrsche. Zur Erklärung: In Brasilien wird Portugiesisch gesprochen...

Sie wolle eine "Volkspräsidentin" sein, sich nicht in die Tagespolitik einmischen, aber in Grundsatzfragen Position beziehen. Sie wolle alle Österreicher, ob alt, jung, Frau oder Mann ansprechen, sie trete als überparteiliche Kandidatin, wenn auch mit Unterstützung der ÖVP an, wolle daher Wähler aller Parteien ansprechen: so präsentierte sich Ferrero-Waldner der Auslandspresse. Und sie wolle Tore sowohl nach außen als auch nach innen öffnen sowie auf Amtsvilla und Sommersitz, aber auch Pomp bei Staatsbesuchen verzichten. "Das beste Protokoll ist das Protokoll, das man nicht merkt - es ist eine gute Organisation."

Babylonische Sprachverwirrung
Auf von Auslandskorrespondenten auf Deutsch gestellte Fragen antwortete sie umgehend in Französisch und Spanisch. Aufgelegt die Frage, wenn sie mit 101 Staatschefs in deren Sprache rede, welche Fremdsprachen sie denn dann nun spreche: "Englisch, Französisch, Spanisch, Italienisch. Und ich verstehe Portugiesisch, Brasilianisch (in Brasilien spricht man ebenfalls Portugiesisch, Anm.) und Katalanisch."

Fragen quer durch den politischen Gemüsegarten
Inhaltlich ging das Frage- und Antwortspiel kreuz und quer durch den außen- und innenpolitischen Gemüsegarten. Was sie etwa mit der Dezentralisierung im Kosovo gemeint habe? Hier schwebe ihr eine Dezentralisierung auf Gemeindeebene vor, ähnlich wie in Mazedonien. Was sie zur Teilnahme Österreichs an mobilen Kampfeinheiten der EU sagen würde? Hier verwies sie auf die in der Verfassung vorgesehene Beistandsgarantie, die Österreich von Fall zu Fall eine eigene Entscheidung ermögliche.

Ob sie den saudiarabischen Kronprinz bei dessen Österreich-Besuch vergangene Woche auf das Thema Menschenrechte angesprochen habe? Sie habe den Prinzen "in seiner Residenz im Hotel Imperial" aufgesucht und habe herausgestrichen, dass es gelte, die demokratischen Bemühungen in Saudiarabien zu verstärken.

Fischer rechnet mit Kopf an Kopf-Rennen
SP-Präsidentschaftskandidat Heinz Fischer rechnet bei der Bundespräsidentenwahl mit einem Kopf an Kopf-Rennen. "Ich bin nach wie vor überzeugt, dass es ein relativ knappes Resultat gibt. Ich will auch gar nicht, dass irgendjemand den Eindruck erweckt: Hier gibt es einen sicheren Vorsprung und man muss sich nur in den Schlafwagen setzen und das Frühstück für den 25. April bestellen", so Fischer vor der Auslandspresse in Wien.

Nervosität bei ÖVP geortet
Die jüngsten Attacken der ÖVP wertet Fischer als Zeichen für eine "gewisse Nervosität". Den Vorwurf der ÖVP - seine Wahlhelfer hätten Mannerschnitten verteilt - nimmt der SP-Kandidat mit Humor: "Das ist natürlich ein völlig unverzeihlicher Verstoß gegen die Fairnessregeln. Mannerschnitten sind eine so gefährliche Wahlkampfwaffe, dass eine kleine Verleumdung überhaupt nichts dagegen ist." Letzteres war auf VP-Klubchef Wilhelm Molterer gemünzt, der Fischer vorgeworfen hatte, die Anerkennung Sloweniens und Kroatiens 1989 als historischen Fehler bezeichnet zu haben.

Fischer weist dies zurück: Erstens habe sich Molterer in der Jahreszahl vertan, da die Anerkennung 1991 und nicht 1989 erfolgt sei, und zweitens habe er damals nicht die Anerkennung als schweren Fehler bezeichnet sondern die Meinung, dass bloß mit der Anerkennung der Unabhängigkeit der jugoslawischen Teilrepubliken das Blutvergießen am Balkan gestoppt werden könnte, betonte Fischer und forderte Molterer auf, Geschichte zu lernen und "bei den Fakten zu bleiben".

Bei Haider "neutral dreinschauen"
Auf die Frage, ob er als Bundespräsident auch den Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider angeloben würde, meinte Fischer: "Es gibt keinen Anlass, heute zu sagen - noch dazu wo wir kein neues Wahlergebnis habe - diese oder jene Partei darf auf keinen Fall in der Regierung vertreten sein. Der Bundespräsident müsse alle gewählten politischen Akteure gleich behandeln. Befragt danach, mit welcher Miene er Haider angeloben würde versicherte Fischer, er würde dabei als Anhänger der Neutralität "neutral dreinschauen".

(apa/red)

8.4.2004 14:06