Nicht nur politische Auswirkungen: EU-Erweiterung betrifft auch die Umwelt
- Naturschätze nicht verprassen, sondern bewahren
- WWF: In Beitrittsländern Natur zum Teil unberührt
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Durch den Beitritt der zehn neuen Länder wird die Europäische Union um einige Naturschätze reicher. Vor allem die Osteuropäischen Staaten bringen wahre Schätze ein. Ob die Mitgliedschaft in der Union nun Segen oder Fluch für die Umwelt sein wird, darüber hat sich der World Wide Fund for Nature (WWF) den Kopf zerbrochen.
Laut Claude Martin, Generaldirektor des WWF International, betrachten viele das Geschehen mit einem mulmigen Gefühl. Doch vieles, was in den alten EU-Staaten längst verloren gegangen ist, hat in den neuen Beitrittsländern überlebt. Hier finden sich riesige Sumpfgebiete, unberührte Gebirgslandschaften und nahezu endlose Wälder. Allein im Buchen-Urwald der Karpaten leben mehr als 8.000 Bären, 4.000 Wölfe und 3.000 Luchse.
Polen wiederum beherbergt das größte intakte Sumpfgebiet Europas: Moore, Feuchtwiesen und 1.600 Seen an dem nur 164 Kilometer langen Fluss Bierbrza. Rumänien hat das Donau-Delta mit der größten geschlossenen Schilffläche der Welt. Und Ungarn steuert die Puszta zum europäischen Naturerbe bei.
Die Herausforderung besteht laut Martin darin, diesen Reichtum nicht zu verprassen, sondern ihn zu bewahren. Zudem habe das Zusammenwachsen Europas schon erste positive Auswirkungen entfaltet. Dies betrifft vor allem Umweltaltlasten früherer Regime. Die EU-Gesetze sind oft strenger als die alten Regeln. Zudem fließen große Investitionen in die Abwasser- und Müllentsorgung sowie in sauberere Technologien.
Die Ausdehnung der Union in Richtung Osten bringt - so der WWF-Generaldirektor - aber auch neue Bedrohungen. Etwa durch die gemeinsame Agrarpolitik. Mit fast 50 Milliarden Euro fließt jedes Jahr etwa die Hälfte des EU-Haushalts in die Landwirtschaft. Nun müsse mit einer Agrarreform Ernst gemacht werden, um das Geld sinnvoller einzusetzen. Eine Intensivierung der Landwirtschaft führe nämlich nicht zu blühenden Auen, sondern zu öden Agrarsteppen. Die regionale Entwicklung müsse gestärkt, die Vermarktung regionaler Produkte gefördert und den ländlichen Regionen eine Perspektive geboten werden.
Auch die Infrastrukturpolitik bereitet Naturschützern schlaflose Nächte. In den kommenden Jahren würden verstärkte Anstrengungen unternommen, ein transeuropäisches Verkehrswege-Netz aufzubauen. Hier könnte die Umwelt auf der Strecke zu bleiben, etwa beim geplanten Ausbau der Donau auf mehr als 1.000 Kilometern. Der Bau der Via Baltica - die geplante Trasse für die Autobahn von Warschau bis Helsinki führt mitten durch den Biebrza-Nationalpark - ist ein Albtraum für den WWF.
Der angestrebte Wohlstand für die Menschen Osteuropas dürfe sich nicht in einem Zuwachs an Konsum erschöpfen. Der Lebensstil in Westeuropa sei nur bedingt zur Nachahmung empfohlen: Was den Ressourcen-Verbrauch angeht, würden wir laut Martin schon lange über unsere Verhältnisse leben. (apa)
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