"Beitritts-Kanzler" Vranitzky sieht EU-Erweiterung äußerst positiv
- Beitritt der Oststaaten: Logische Konsequenz nach 1989
- "Europäische Integration ist ein Friedensprojekt"
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Österreichs "Beitritts-Kanzler" Franz Vranitzky beurteilt die EU-Erweiterung "ausschließlich positiv". In einem Interview mit der APA betonte der Alt-Kanzler, der Beitritt der Staaten des ehemaligen Ostblocks sei "die logische Konsequenz des Zusammenbruchs der kommunistischen Systeme im Jahr 1989".
Er, Vranitzky, habe sich immer zur Grundidee der Errichtung einer politischen Union bekannt: "Die europäische Integration ist ein Friedensprojekt, ein Projekt zur Überwindung von über Jahrhunderten in Europa bestandenen Diskrepanzen, Feindschaften und Gegnerschaften. Innerhalb der 15 Mitgliedsstaaten der EU ist diese Überwindung der Gegensätze auf einem guten Weg und deshalb ist eines der wichtigsten Motive der Erweiterung, dass möglichst viele europäische Staaten in diesen Prozess einbezogen werden, Gegnerschaften ein für alle mal zu beseitigen."
Die Tatsache, dass in Österreich von der Aufbruchstimmung, wie sie vor zehn Jahren rund um die Volksabstimmung über den EU-Beitritt am 12. Juni 1984 geherrscht hatte, nicht mehr viel übrig geblieben ist, beurteilt der frühere Bundeskanzler durchaus auch selbstkritisch: "Wahrscheinlich haben die Verantwortlichen - ich nehme mich da nicht aus - nach dem gelungenen Beitritt zu wenig unternommen, um ein geeintes Europa vorzuleben und damit die Staatsbürger auf breitester Front zu gewinnen. Es ist aber niemals zu spät, diesen Gedanken des Vorlebens wieder zu intensivieren."
Die Entscheidung Österreichs, den Arbeitsmarkt für die Bürger der neuen Mitgliedsländer erst nach sieben Jahren zu öffnen, kann sich Vranitzky nur als "vorübergehende" Maßnahme vorstellen. "Es würde mich nicht wundern, wenn diese siebenjährige Frist nicht ausgenutzt, sondern verkürzt wird." Er teile die Auffassung vieler Experten, dass es in Österreich in absehbarer Zeit bereits einen Arbeitskräftemangel geben werde. (apa)
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