Sonntag, 11. April 2004

120 Verletzte bei Protesten in Taiwan: Manipulationsvorwürfe gegen Präsident

  • 20 Personen wurden nach Zusammenstößen verhaftet

Bei Zusammenstößen zwischen Sicherheitskräften und Demonstranten in Taiwan sind über 120 Menschen verletzt worden. 20 Personen seien festgenommen worden, teilte die Polizei am Sonntag mit. Die Kundgebung richtete sich gegen die umstrittene Präsidentschaftswahl vom 20. März. Die Opposition wirft Präsident Chen Shui-bian Manipulationen bei der Wahl vor.

Der Vorwurf lautet, Chen habe die öffentliche Meinung kurz vor der Wahl mit einem fingierten Attentat auf sich selbst manipuliert. Eine am Sonntag abgeschlossene Untersuchung konnte diesen Vorwurf weder entkräften noch bestätigen.

Die Demonstration mit rund 50.000 Teilnehmern begann am Samstagabend friedlich. Nach der offiziellen Abschlusskundgebung versammelten sich jedoch 1.000 Demonstranten vor dem Amtssitz des Präsidenten und bewarfen die Sicherheitskräfte mit Steinen und Flaschen. Einige versuchten, mit einer für die Kundgebung aufgestellten Bühne die Absperrungen rund um das Gebäude zu rammen.

Nach Polizeiangaben flog auch eine Brandbombe. Als die Polizisten mit Wasserwerfern reagierte, kam es zu einer Prügelei. Erst spät in der Nacht gelang es den Sicherheitskräften, die Menge zu zerstreuen. 86 Polizisten seien von Demonstranten mit Eisenstangen, Holzknüppeln oder Schleudern verletzt worden, sagte ein Polizeisprecher. Auch 40 Demonstranten und einige Journalisten seien verwundet.

Die Hintergründe des Attentats auf Chen bleiben auch nach einer gerichtsmedizinischen Untersuchung unklar. Der taiwanesisch- amerikanische Experte Henry Lee erklärte sich am Sonntag außer Stande zu beurteilen, ob der Anschlag von der Regierung inszeniert worden sei. Chen war bei dem Attentat einen Tag vor der Wahl nur leicht verletzt worden. Die Opposition wirft ihm vor, er habe sich damit in letzter Minute die Sympathie des Volkes sichern wollen. (apa)

11.4.2004 11:25