Samstag, 10. April 2004

Waffenruhe in Falluja um 48 Stunden bis Freitag verlängert

  • Leichen von vier US-Bürgern nahe Bagdad gefunden
  • Russland erwägt große Evakuierungsaktion

Die US-Armee und die Aufständischen in der zentralirakischen Stadt Falluja haben ihre Waffenruhe bis Freitag früh verlängert. Beide Seiten hätten vereinbart, die Waffenruhe um 48 Stunden auf Freitag früh 07.00 Uhr MESZ zu verlängern, sagte ein Vermittler von der Irakischen Islamischen Partei, Fuad Rawi, am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP.

Ziel sei die Wiedereröffnung von zwei Krankenhäusern im Westen und am östlichen Ausgang der Stadt, die wegen der Kämpfe schließen mussten. Nach der Ermordung von vier US-Zivilisten hatte die US-Armee Anfang vergangener Woche eine Offensive in Falluja gestartet. Trotz einer am Sonntag vereinbarten Waffenruhe wurden die Gefechte aber fortgesetzt. Nach Angaben Rawis wurden bei den Kämpfen bislang 600 Iraker getötet, darunter 300 Zivilisten.

Leichen von vier US-Bürgern gefunden
Im Irak sind die verstümmelten Leichen von vier vermissten US-Bürgern gefunden worden. Die Leichen befanden sich demnach in einem Grab westlich der irakischen Hauptstadt Bagdad nahe des Ortes, wo vergangene Woche ein US-Konvoi überfallen wurde. Seit dem Angriff wurden nach US-Angaben sieben zivile Mitarbeiter einer Firma, die im Auftrag des US-Ölkonzerns Halliburton tätig ist, sowie zwei US-Soldaten vermisst.

Kellog Brown and Root (KBR), Tochterunternehmen von Halliburton, bestätigte am Dienstag auf seiner Internetseite den Fund mehrerer Leichen. Ob es sich tatsächlich um die seit vergangene Woche vermissten US-Bürger handelt, könne allerdings noch nicht bestätigt werden. Nach Informationen des Senders ABC wurden die Familien der Opfer bereits benachrichtigt.

US-Armee bombardiert Falluja
Die US-Armee hat am frühen Mittwochmorgen die Angriffe auf aufständische Sunniten in der irakischen Stadt Falluja wieder aufgenommen. Kampfhubschrauber hätten Rebellen aus der Luft angegriffen, teilten US-Offiziere in der Widerstandshochburg mit. Bereits am Dienstagabend hatte die US-Armee mindestens vier Luftangriffe geflogen.

Russland will 760 Menschen evakuieren
Die russische Regierung plant noch in dieser Woche eine größere Evakuierung von Bürgern der Gemeinschaft Unabhängiger Staaten (GUS) aus dem Irak. Das Ministerium für den Katastrophenschutz teilte am Mittwoch in Moskau mit, für Donnerstag und Freitag seien insgesamt sieben Flüge von Kuwait und Bagdad aus geplant, um über 500 Russen und über 260 Staatsangehörige anderer ehemaliger Sowjetrepubliken, die im Irak tätig seien, auszufliegen.

Am Montag waren im Irak drei Russen und fünf Ukrainer von Aufständischen als Geiseln genommen worden. Sie wurden allerdings nach wenigen Stunden wieder freigelassen. Mehrere Ausländer sind im Irak weiterhin in der Hand aufständischer Geiselnehmer.

Vier tote US-Marines seit Montag
Seit Montag sind nach US-Militärangaben mindestens vier Angehörige der US-Marineinfanterie bei Kämpfen im Irak gefallen. Die Zahl nannten die Streitkräfte am Mittwoch in Bagdad ohne nähere Angaben. Marineinfanteristen sind vor allem westlich von Bagdad im Einsatz. In Falluja waren sie seit Tagen in Kämpfe mit den sunnitischen Aufständischen verwickelt.

Seit Kriegsbeginn sind nach offiziellen Angaben mindestens 484 US-Soldaten im Irak gefallen.

(apa/red)

10.4.2004 13:26