Weiterhin Chaos: Heftige Kämpfe im Irak am Jahrestag des Falls von Bagdad
- 450 Tote bei US-Offensive in Falluja
- Aufständische verschleppen weitere 6 Ausländer

·Irak: Koreanische Geiseln wieder frei!
Kidnapping sollte einen Truppenabzug erzwingen
·Einnahme Bagdads jährte sich erstmals
US-Soldaten stürzten Saddam-Statue
·Erneut heftige Kämpfe im Irak
Wieder viele Tote auf beiden Seiten
·USA: "Robustes Vorgehen im Irak"
Rumsfeld: "Wir sind fest entschlossen"
·Irak-Krieg weckt Vietnam-Erinnerung
Vertrauen der US-Bürger in den Krieg schwindet
Ein Jahr nach der Einnahme Bagdads durch US-Soldaten eskaliert die Gewalt zwischen den Koalitionstruppen und Aufständischen im Irak. In mehreren Städten des Landes gab es am Freitag erbitterte Kämpfe und viele Tote. Berichte über die angebliche Entführung von weiteren Ausländern, darunter Amerikaner und Italiener, wurden zunächst weder von der Regierung in Rom noch von der US-Armee bestätigt.
Bei der US-Offensive in der Rebellenhochburg Falluja sind Ärzten zufolge in dieser Woche mindestens 450 Iraker getötet worden. Mehr als tausend Menschen seien verletzt, sagte der Direktor des wichtigsten Krankenhauses der Stadt, Rafi Hajad, der Nachrichtenagentur Reuters.
Der radikale irakische Schiiten-Führer Muktada al Sadr trat aus Protest gegen die US-geführte Besatzungsmacht nach Angaben aus seinem Umfeld in einen Hungerstreik. Er wolle damit gegen "die amerikanischen Massaker im Irak" protestieren, sagte Sadrs Vertrauter Hassan Haidari. Nach seinen Angaben hat der Schiiten-Führer bereits mehrere Versuche unternommen, mit US-Zivilverwalter Paul Bremer Verhandlungen über ein Ende des Schiiten-Aufstandes aufzunehmen. Bremer lehne jedoch "jeden Dialog" ab.
In Kerbala kamen am Freitag bei Kämpfen zwischen schiitischen Aufständischen und Truppen der multinationalen Division drei Iraker und eine iranische Pilgerin ums Leben, 22 wurden verletzt. US-Truppen gelang es nach Angaben einer Militärsprecherin in der Nacht zum Freitag, die Stadt El Kut wieder einzunehmen. Die 170 Kilometer südöstlich von Bagdad gelegene Stadt war am Mittwoch von Milizen des radikalen schiitischen Predigers Sadr besetzt worden, nachdem sie die dort stationierten ukrainischen Truppen zum Abzug gezwungen hatten. Im Zentralirak befanden sich am Freitag noch immer die heiligen Städte Najaf, Kufa und Kerbala unter Kontrolle der so genannten "Mahdi-Armee", der Miliz Sadrs.
Nordwestlich von Bagdad wurde nach einem Bericht des Senders BBC ein Brite, der als Wachmann für ein US-Sicherheitsunternehmen arbeitete, erschossen. Bei einem Angriff auf einen US-Konvoi in einem Vorort der irakischen Hauptstadt wurden nach US-Angaben ein amerikanischer Soldat und ein Iraker getötet. Keine Informationen hatte die US-Armee zunächst zu Berichten über die Entführung weiterer Ausländer in Abu Ghoreib sowie in Falluja. Aus Rom hieß es, das Außenministerium prüfe entsprechende Berichte.
Weiter Ungewissheit herrschte auch über das Schicksal der zuvor im Irak verschleppten Ausländer. Die US-Zivilverwaltung schloss Verhandlungen mit den Geiselnehmern aus. Die Regierung in Tokio will nach der Entführung von drei japanischen Zivilisten der Forderung der Kidnapper nach Abzug der japanischen Soldaten nicht nachgeben. "Wir werden uns keinerlei verachtenswerter Drohung von Terroristen beugen", sagte Ministerpräsident Junichiro Koizumi. Ebenfalls noch in der Gewalt unbekannter Kidnapper ist nach Informationen des Senders BBC ein Brite, der in der südirakischen Stadt Nassiriya gearbeitet hatte. Zudem werden zwei aus Ost-Jerusalem stammende Palästinenser vermisst. (apa/red)
