Donnerstag, 8. April 2004

Spanien: Offenbar war verheerender Anschlag auf Einkaufszentrum geplant

  • Pläne in Trümmern der gestürmten Wohnung gefunden
  • Video mit Terror-Ultimatum an Regierung aufgetaucht

Mit ihrem Sturm auf eine Wohnung in Madrid in der vergangenen Woche hat die spanische Polizei offenbar einen geplanten Anschlag auf ein Einkaufszentrum vereitelt. Die Zeitung "El Mundo" berichtete , die Beamten hätten in den Trümmern der Wohnung eine Karte von Parquesur gefunden, einem Einkaufs- und Vergnügungszentrum außerhalb von Madrid. Außerdem fanden die spanischen Ermittler ein Video mit einem Terror-Ultimatum an die Regierung.

Der Anschlag sollte nach dem Bericht von "El Mundo" entweder in der Woche vor Ostern oder am vergangenen Sonntag stattfinden, einen Tag nach der Razzia, bei der sich die Verdächtigen ihrer Festnahme durch Selbstmord entzogen. Parquesur besteht aus 193 Geschäften, einem Hotel und mehreren Kinos mit insgesamt 2.500 Sitzplätzen. In der Woche vor Ostern, wenn viele Spanier Urlaub und die Kinder Ferien haben, halten sich dort noch mehr Menschen auf als sonst. Bei der Explosion in der Wohnung waren wahrscheinlich sieben Menschen ums Leben gekommen.

Spanische Ermittler fanden Video mit Terror-Ultimatum an Regierung
Ermittler haben außerdem ein Videoband mit einem Ultimatum an die spanische Regierung entdeckt, die spanischen Truppen innerhalb von einer Woche aus dem Irak und Afghanistan abzuziehen. Auf dem Video seien drei arabisch gekleidete und bewaffnete Männer zu sehen, die eine Botschaft auf Arabisch verlesen.

"Die Brigaden El Mufti und Ansar el Kaida haben den Entschluss gefasst, den Weg des heiligen Krieges zu verfolgen", heißt es demnach auf dem Band laut einer vom Innenministerium veröffentlichten spanischen Übersetzung. Die spanischen Truppen sollten sich "sofort" aus "den Gebieten der Moslems" zurückziehen.

Polizei war Madrid-Attentätern auf der Spur
Die Zeitung "El Pais" berichtete unterdessen, die Polizei habe wenige Tage vor der Bombenserie des 11. März einen Hinweis auf das Versteck der mutmaßlichen Attentäter erhalten. Beamte hätten das Haus 30 Kilometer südöstlich von Madrid aufgesucht, in dem nach Angaben der Behörden die Bomben gebaut wurden. Die Polizisten hatten jedoch keinen Durchsuchungsbefehl und notierten nur die Nummernschilder der geparkten Fahrzeuge. Nachbarn hatten die Polizei alarmiert, wie die Zeitung weiter berichtete. Sie hatten einen schwer beladenen Wagen gesehen und vermutet, die Hausbewohner handelten mit Drogen oder gestohlenen Gegenständen. (apa/red)

8.4.2004 13:47