Donnerstag, 8. April 2004

Neue Kämpfe im Irak: Wieder viele Tote auf beiden Seiten

  • Tausende Irakis ziehen Richtung Falluja
  • Bagdad: Bombe nahe des US-Hauptquartiers detoniert

Bei neuen Gefechten in der westirakischen Stadt Falluja sind in der Nacht auf Donnerstag fünf Iraker getötet und mindestens zehn weitere Menschen verletzt worden. Augenzeugen sagten, in der Nähe einer Schule sei ein US- Armeehubschrauber abgestürzt. Östlich von Falluja sind bei Gefechten auch wieder US- Soldaten getötet worden. Unterdessen sind bei einer Bombenexplosion nördlich von Bagdad mindestens fünf Menschen ums Leben gekommen.

Als Reaktion auf die Ermordung von vier US-Zivilisten und der anschließenden Verstümmelung ihrer Leichen hatten die US-Truppen in der Region von Falluja eine neue Offensive gestartet. Der Vorsitzende der islamischen Religionsgelehrten in Falluja, Scheich Meki al Kubaisi, warnte die US-Soldaten davor, die rund 80 Moscheen der Stadt zu benutzen, um von dort aus zu schießen. "Wir warnen die amerikanischen Truppen davor, die Moscheen zu benutzen, weil die Muslime keine religiösen Orte angreifen können."

Protestzug nach Bagdad
Der arabische Nachrichtensender Al Jazeera meldete, am Morgen seien Tausende von Demonstranten in einer Solidaritätskundgebung von Bagdad in Richtung Falluja gezogen, die von den US-Soldaten seit Tagen abgeriegelt wird. Gekämpft wurde auch an einer Brücke westlich von Ramadi. Dabei wurde laut Augenzeugen ein Iraker getötet.

Fünf US-Soldaten nach Angriffen von Aufständischen
Bei Kämpfen und Anschlägen im Irak sind fünf US-Soldaten getötet worden. Zwei US-Marineinfanteristen starben in der westlichen Provinz Anbar, in der die umkämpfte Stadt Falluja liegt. Ein US-Soldat wurde in Chan Bani Saad, 30 Kilometer nördlich von Bagdad, getötet, als seine Patrouille in einen Hinterhalt geriet.

Ein US-Soldat starb, als Aufständische seinen Kontrollpunkt bei Samarra, 100 Kilometer nördlich von Bagdad, angriffen, ein weiterer in einem Militärlager, das Rebellen mit Raketen beschossen.

Bei einer Bombenexplosion nördlich von Bagdad sind unterdessen mindestens fünf Iraker ums Leben gekommen. Mindestens 18 weitere Menschen wurden nach Polizeiangaben verletzt, als der Sprengsatz in Baladrus nördlich der irakischen Hauptstadt detonierte. Der mit einer Gasflasche verbundene Sprengsatz sei in der Auslage eines Obststandes verborgen gewesen, hieß es. Bei den Opfern handele es sich um Passanten, sagte Polizeioffizier Ahmad Najah.

Regierungsrat verhandelt mit al Sadr
Der von den USA eingesetzte irakische Regierungsrat verhandelt nach Angaben seines Mitglieds Adnan Pachachi derzeit mit dem radikalen Schiitenführer Muktada (Moktada) al Sadr über dessen Aufgabe und ein Ende des Aufstands gegen die Besatzungsmächte. "Es gibt Diskussionen mit Muktada al Sadr, damit dieser den Aufstand beendet und sich der Justiz stellt, und wir bemühen uns, seine Ehre und seine Sicherheit zu wahren", sagte Pachachi. US- Statthalter Bremer hatte Sadr zuvor zum "Gesetzlosen" erklärt. Seit Anfang der Woche liefern sich Anhänger Muktada al Sadrs heftige Kämpfe mit den Besatzungstruppen. Ein irakischer Richter hatte wegen "Aufstachelung zum Mord" einen Haftbefehl gegen Sadr erlassen. Dabei geht es um die Ermordung eines schiitischen Geistlichen im April 2003 in Najaf. (apa/red)

8.4.2004 09:34