Mittwoch, 7. April 2004

Rice bei 9/11-Befragung: Unzureichende Vorbereitung auf Terroranschläge

  • Terrorakte durch unpräzise Informationen ermöglicht
  • Präsident Bush hoch zufrieden mit Sicherheitsberaterin

Die Nationale Sicherheitsberaterin von US-Präsident Bush, Condoleezza Rice, hat eine unzureichende Vorbereitung der USA auf die wachsende Terrorbedrohung eingeräumt. Die Bush-Regierung treffe daran aber keine Schuld, sagte Rice bei ihrer Aussage vor dem Ausschuss zur Untersuchung der Terroranschläge 2001. Vielmehr hätten US-Regierungen jahrelang nicht auf die wachsende Bedrohung reagiert. Bush selbst zeigt sich hoch zufrieden mit der Aussage seiner Sicherheitsberaterin.

Daran seien strukturelle Schwächen im Regierungsapparat schuld, die sie in den knapp 250 Tagen zwischen Amtsantritt und den Anschlägen nicht habe beseitigen können. "Die Bedrohung wuchs über 20 Jahre, und die amerikanische Reaktion darauf war über mehrere Legislaturperioden hinweg unzureichend", sagte Rice.

"Die Terroristen waren im Krieg gegen uns, wir aber waren noch nicht im Krieg gegen sie", sagte Rice, "Im Nachhinein hätte nur eine bessere Information über die Bedrohungen innerhalb der USA helfen können, den 11. September zu verhindern." Das Sammeln von Informationen sei aber durch strukturelle und rechtliche Hürden erschwert worden, sagte Rice mit Blick auf die US-Geheimdienste. "Also kam es zu den Anschlägen." Die US-Regierung hatte nach den Anschlägen eine engere Zusammenarbeit der Geheimdienste in die Wege geleitet.

Rice nimmt Bush in Schutz
Ausschussmitglieder fragten Rice wiederholt, ob das Weiße Haus Hinweise gehabt habe, dass das Terrornetzwerk in den USA zuschlagen wollte und plante, entführte Flugzeuge als fliegende Bomben einzusetzen. Rice verneinte dies. Ein Memorandum, das Präsident Bush im Juli 2001 über El-Kaida-Gefahren erhielt, habe keinerlei direkte Bedrohungsszenarien aufgezeigt, sagte Rice.

Das Memorandum ist als Geheimpapier klassifiziert und bisher nicht veröffentlicht worden. "Es gab keinen fundierten Bericht über eine direkte Gefahr eines Anschlags in den USA", sagte Rice.

Bush hoch zufrieden mit Aussage von Rice
US-Präsident George W. Bush hat sich hoch zufrieden mit der Aussage seiner Sicherheitsberaterin gezeigt. "Der Präsident findet, dass sie einen tollen Job gemacht hat", sagte Bushs Sprecherin Claire Buchan auf der Präsidenten-Ranch im texanischen Crawford. Bush habe die Aussage seiner engen Beraterin gemeinsam mit seiner Frau Laura im Fernsehen verfolgt. Ihm habe es gefallen, dass Rice das "aggressive Vorgehen" der US-Regierung nach den Anschlägen hervorgehoben habe, sagte die Sprecherin.

Rice reiste über das Wochenende nach Crawford. Dort wollte sie mit dem Präsidenten, seiner Frau, seinen Töchtern und den Präsidenteneltern George und Barbara Bush die Ostertage verbringen. (apa/red)

7.4.2004 18:46