Dienstag, 6. April 2004

Al Sadr-Vertrauter: Aufstände bis Besatzer aus bevölkerten Gebieten abgezogen sind

  • Blutige Gefechte forderten insgesamt schon 130 Tote
  • Tony Blair fordert zu Standfestigkeit im Irak auf

15 Iraker sind bei Auseinandersetzungen mit Anhängern des radikalen Schiitenführers Moktada al Sadr Dienstagfrüh getötet worden. Dutzende weitere wurden dabei verletzt. Nach Angaben der italienischen Nachrichtenagentur ANSA wurden auch zwölf italienische Soldaten verletzt. . Unterdessen verkündet ein Vertrauter des radikalen Predigers, dass die Aufstände weiter gehen, bis sich die Besatzungstruppen aus den bevölkerten Gebieten des Landes zurückgezogen haben.

In Nassiriya begannen die Kämpfe Augenzeugen zufolge gegen 04.00 Uhr in der Nacht und dauerten bis in den Vormittag hinein an. Die Anhänger Moktada al Sadrs kontrollieren die Straßen um das italienische Hauptquartier in Nassiriya.

Auch im westirakischen Falluja sind bei Gefechten zwischen US- Soldaten und irakischen Aufständischen in der Nacht zum Dienstag nach Angaben von Augenzeugen zwei Iraker getötet worden. 15 weitere Menschen seien verletzt worden, berichteten Einwohner der Stadt, in der die US-Truppen am Montag eine Ausgangssperre von 19.00 Uhr bis 6.00 Uhr verhängt hatten.

Bei einem Einsatz westlich der irakischen Hauptstadt Bagdad sind vier US-Soldaten getötet worden. Wie die US-Armee am Dienstag mitteilte, wurden die vier Marine-Infanteristen in der Provinz El Anbar angegriffen und getötet. Sie hätten den Auftrag gehabt, für Sicherheit in der Region zu sorgen.

Al Sadr verschanzt sich in Moschee
Nach der Ankündigung der USA, ihn zu verhaften, hat sich indessen Moktada al Sadr schiitischen Kreisen zufolge im irakischen Najaf in einer Moschee verschanzt. Al Sadr habe sich in die Moschee Imam Ali, das wichtigste Heiligtum des Iraks, zurückgezogen, hieß es in den schiitischen Kreisen. Mitglieder seiner verbotenen Mahdi-Miliz hätten alle umliegen Straßen abgesperrt. Angeblich soll Al Sadr in den nächsten Wochen verhaftet werden. Und zwar von der irakischen Justiz. Die Aufständischen drohen aber wieder mit Gewalt. "Wenn die Amerikaner Al Sadr verhaften, wird dies Ströme aus Blut zur Folge haben."

US-Präsident Bush hatte zuvor die Entschlossenheit seines Landes bekräftigt, Al Sadr für die Anstachelung zur Gewalt zur Rechenschaft zu ziehen und trotz der Unruhen die Macht im Land wie geplant im Sommer an Iraker zu übergeben. Der britische Premier Tony Blair hat zur Standfestigkeit aufgerufen. Die Antwort auf die eskalierende Gewalt könne nicht lauten "vor Schreck davonzulaufen oder sich zu verstecken." Auch Italiens Regierungs-Chef Berlusconi will seine Truppen nicht abziehen. "Eine Flucht von der Mission ist auszuschließen. Man kann den Irak nicht im Chaos lassen."
(apa/red)

6.4.2004 08:37