Donnerstag, 8. April 2004

Drogenschmuggel: Zwei Caritas- Mitarbeiterinnen verurteilt

  • Sechs bzw. vier Jahre Haft, Urteil noch nicht rechtskräftig
  • Kokain im Wert von drei Millionen Euro geschmuggelt

Der Traum vom schnellen Geld endete für zwei junge Frauen in einem Grazer Gerichtssaal: Eine Caritas-Mitarbeiterin und ihre Freundin mussten sich am Donnerstag wegen Drogenschmuggels verantworten. Sie hatten im Herbst vergangenen Jahres insgesamt knapp sieben Kilo Kokain von Argentinien nach Österreich gebracht. Doch die beiden waren schon vor Beginn ihrer Reise observiert worden, und bei ihrer Ankunft am Wiener Flughafen klickten die Handschellen. Sie wurden zu sechs und vier Jahren Haft verurteilt. Das Urteil ist nicht rechtskräftig.

Die Caritas-Mitarbeiterin stammt aus einer der ersten Familien Albaniens und wurde als "Wunderkind" großgezogen. Ihr Vater war Dirigent an der Nationaloper in Tirana, sie selbst studierte seit ihrem 14. Lebensjahr in Österreich Klavier. Die Frau arbeitete bei der Hilfsorganisation als Dolmetscherin und Betreuerin, als sie massive private Probleme bekam: Sie verlor das Sorgerecht für ihr Kind und geriet in finanzielle Schwierigkeiten. Eine Jugendliebe aus Tirana vermittelte ihr schließlich den Drogendeal, zu dem sie dann auch ihre Freundin überredete.

Beide Frauen fühlten sich zwar schuldig, beteuerten aber, nichts von der großen Suchtgiftmenge gewusst zu haben. Immerhin hatte das Kokain einen Reinheitsgrad von 90 Prozent. "Ein Bomben-Stoff, der rund drei Millionen Euro Wert ist", so Staatsanwalt Hansjörg Bacher. Für ihre Fahrt sollten sie je 10.000 Euro bekommen. "Haben Sie bei Ihrer Arbeit bei der Caritas nicht mitbekommen, wie problematisch die Drogensituation in Graz ist?", fragte Richter Erik Nauta. "Nicht wirklich", so die Beschuldigte.

"Mir ging es damals nicht gut, ich war persönlich am Ende", meinte die junge Frau unter Tränen. Die Mutter ihrer Freundin schilderte ebenfalls, wie schlecht es ihrer Tochter gegangen sei. "Es sind ganz gewöhnliche Drogenkuriere", hatte der Ankläger wenig Verständnis. Der Schöffensenat verurteilte die Freundin zu vier und die Caritas-Mitarbeiterin zu sechs Jahren Haft. Letztere meldete Nichtigkeitsbeschwerde und Berufung an, ebenso der Staatsanwalt, dem die Strafen in beiden Fällen zu gering waren.

(apa)

8.4.2004 13:07