Das intelligente Haus: Wohnen in der High-Tech-Villa!
- Ein belgischer Architekt lebt seinen Traum vom denkenden Haus!
Das intelligente Haus: Fenster, Heizung & Alarmanlagen - im High-Tech-Heim wird alles automatisch gesteuert. Jetzt kommen die ersten Häuser, die mitdenken...
Freitagabend, dichter Verkehr auf der Autobahn von Antwerpen nach Brüssel. Die Frau vorne im Auto lacht – sie telefoniert wahrscheinlich mit ihrem Freund. Der Architekt Frank Belien telefoniert auch. Mit seiner Badewanne. „38 Grad!“, ruft er in den Hörer. „Viel Schaum. 19.00 Uhr.“ Am anderen Ende piepst eine Computerstimme: „Wird gemacht.“
Wohnkomfort der Zukunft
Als Belien eine gute Stunde später in seiner Villa in Vilvoorde
bei Brüssel ankommt, ist alles vorbereitet. Das Wasser
in der Wanne ist richtig temperiert. Fehlen nur noch zwei
Wörter zur perfekten Rekreation nach der Arbeitsbelastung:
„Espresso!“ – und in der Küche zischt es. „Vorhänge!“ – und
Belien kann sich ungeniert entkleiden. Nach dem Entspannungsbadm knurrt der Magen. Die Küche des Architekten ist ein voll computerisierter Poggenpohl-
Traum aus Stahl und Holz. Auf dem Bildschirm über dem Herd erscheinen verschiedene Gerichte. Belien berührt mit dem Finger den Touchscreen dort, wo das Steak abgebildet ist. Blinken. Wüstes Gepiepe. Leider kein Steak im Kühlschrank. Der Computer schlägt Brot und Käse vor – oder eine Bestellung per Internet-Shopping – und
meldet Preis und Lieferzeit. Dann lieber noch eine Bestellung
aufgeben.
Living Tomorrow
Beinahe vier Jahre ist Beliens High-Tech-Villa bereits alt. Doch dem Architekten, der sein Lebensprojekt von privaten Sponsoren finanzieren ließ, gehen noch lange nicht die Ideen aus. Erst unlängst hat er das „Domotic Voice System“ installieren lassen, das auf Zuruf die Badewanne auffüllt. Doch das sind noch lange nicht alle Tricks: Als er im Bett liegt, ruft er: „Ich will Michael Schumacher sehen!“,
und sofort erscheint am Bildschirm das letzte Rennen
des Formel-1-Helden. „Und jetzt: Kate Moss! Nackt!“ Das
Model, groß, dünn und barbusig, taucht wie eine rätselhafte
Göttin des telematischen Zeitalters im Halbdunkel auf.
Einige High-Tech-Spielereien steuern auch Beliens Sponsoren
bei – zumeist Unternehmen aus der Haustechnik-Branche. Sie
liefern absurde Erfindungen wie „Lady P.“, das erste Steh-
Urinal für Frauen. Manchmal gibt’s aber auch sinnvolle Neuerungen: Flüssigkristallfenster etwa, die auf Knopfdruck das Glas milchig werden lassen. Oder Großprojektionsflächen
an der Wand, die den Computermonitor ersetzen. „Besser für
die Augen“, sagt Belien, „die Leute werden in Zukunft mehr
zuhause und am Computer arbeiten, und der Bildschirm wird
das Zentrum ihres Alltags.“ Beliens Wohntraum ist vorerst
wohl nicht mehr als eine Spielerei für Menschen, deren
Sorgen allein darum kreisen, dass die Einspritzdüsen ihrer
High-Tech-Badewannen nicht verstopft werden und der Espresso die richtige Temperatur hat, während sie im neuen Maserati über die Kieszufahrt rollen. Doch den Traum
vom vernetzt-intelligenten Heim kann man sich inzwischen auch weniger abstrakt verwirklichen – und zwar leistbar mit sinnvollen Anwendungen.
Das Haus denkt mit
Mit der flexibel einsetzbaren Gebäudesystem-technik „instabus“ bietet Siemens jetzt sogar einen „stillen Diener“, der sich um alles kümmert. Er regelt die Raumtemperatur, überwacht Fenster und Türen, schreckt ungebetene Gäste ab und kann im Notfall sofort telefonisch Hilfe rufen. Das clevere System schützt auch vor
Gefahren, die durch Brand, Wasser oder den unsachgemäßen
Umgang mit Strom entstehen können. Mit „instabus“
kann man auch Energiekosten sparen: Allein über die
Einzelraumregelung und die Fensterüberwachung, kombiniert
mit Rollladensteuerung, sparen Kunden bis zu 30 Prozent
im Jahr.
Das vernetzte Haus
Das intelligente System lässt sich ohne großen Aufwand installieren – egal ob bei einem Neubau oder einer Renovierung. Herausragendes Merkmal der Technik
ist die Vernetzung. So weiß zum Beispiel die Heizung, ob
ein Fenster geöffnet ist. Entsprechend wird dann die Heizleistung verringert. Speziell für Sanierungen bietet
Siemens ein neues Funksystem, die vernetzte Funksystem,
das eigens für den Wohnbau konstruiert wurde.
Dabei werden die Funktionen wie Schalten, Dimmen oder das
Bedienen der Jalousien drahtlos ausgeführt. Und: Mithilfe einer funkbasierten Bedien- und Datenmanagementeinheit kann „Gamma wave“ zusätzlich die Verbrauchsdaten erfassen und an ein Abrechnungssystem – etwa das des Mobilfunkbetreibers – weiterleiten. Selbst der Einbau ist denkbar einfach. Alle Geräte sind auf eine maximale Einbautiefe von 32 Millimeter ausgelegt, um die Montage in bestehenden Unterputzdosen zu ermöglichen. Das gesamte Funksystem sowie alle Produkte können vom Installateur ohne spezielle Schulungen oder Software in Betrieb genommen werden.
(Aus NEXT 1/2004)
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