Schüssels Geheimtreffen mit Haider:
Der Benita-Poker
- Aufgedeckt: So will Schüssel FP für VP-Ferrero ködern

Das Geheimtreffen: Worüber Schüssel & Haider Montag nacht bis 2 Uhr 30 Uhr früh in der Villa von Andreas Khol top secret feilschten.
Der Polit-Poker: Wie der Kanzler Haider eine „Empfehlung“ für Ferrero-Waldner schmackhaft machen will. Und: Wann die Regierungsumbildung kommt.
Am Montagabend, knapp vor 19 Uhr, herrscht hektisches Treiben in der sonst ruhigen Cuviergasse in Wien. Mehrere Dienstlimousinen bleiben vor einem lichtdurchfluteten Holzhaus – passenderweise in Blau gehalten – stehen. Illustre Gäste betreten das Haus von Nationalratspräsident Andreas Khol.
Das Geheimtreffen. Der schwarze Chefideologe hat nicht etwa zu einem kleinen, gediegenen Dinner geladen, nein, Khol hat die Spitzen der österreichischen Bundesregierung zu einem Geheimtreffen in sein Haus nach Hietzing gebeten.
Denn dort – so zumindest das schwarz-blaue Kalkül – könnten Bundeskanzler Wolfgang Schüssel, ÖVP-Klubobmann Wilhelm Molterer, Finanzminister Karl-Heinz Grasser und eben Khol für die schwarze Seite, unbemerkt von der Öffentlichkeit, mit Vizekanzler Hubert Gorbach, Staatssekretärin Ursula Haubner, Sozialminister Herbert Haupt, FP-Klubchef Herbert Scheibner und last, but not least natürlich Jörg Haider für die blaue Seite, konferieren.
Die schwarz-blauen Spitzen hatten denn auch jede Menge zu bereden: Bis in die frühen Morgenstunden – genauer gesagt bis 2.30 Uhr – wurde über die Zukunft der Regierung beraten.
Zunächst lockert der Kanzler durch gezielte Scherze und leichte Seitenhiebe auf die „blau-rote Freundschaft in Kärnten“ – am Mittwoch soll Haider zum dritten Mal als Kärntner Landeshauptmann angelobt werden und gemeinsam mit Kärntens SP-Chef Peter Ambrozy die Regierungserklärung abgeben – die Atmosphäre auf. Doch Schüssel selbst wirkt angespannt.
„Bitte unterstützt Benita.“ Der Kanzler hat schließlich ein besonderes Anliegen, das er mit dem wiedererstarkten Kärntner Landeshauptmann direkt bereden will: „Mit dem Fischer könnts ihr doch eh nichts anfangen.“ Der rote Präsidentschaftskandidat Heinz Fischer habe die FPÖ doch „immer ausgegrenzt“, meint auch Khol. „Daher“, sind sich die Schwarzen einig: „Unterstützt doch bitte die Benita.“
Immerhin, erklären Schüssel und Co, habe die ÖVP bereits Umfragen, in denen ÖVP-Präsidentschaftskandidatin Benita Ferrero-Waldner vier Wochen vor der Wahl „nur mehr drei Prozentpunkte hinter Fischer“ liege. Eine offizielle FP-Empfehlung könne ihr die „nötigen Stimmen zum Sieg“ bringen, argumentieren die ÖVP-Politiker bei Bier und Hausmannskost im Hause Khol. Und außerdem gehe es ja auch darum, „schwarz-blaue Geschlossenheit nach außen zu signalisieren“, jetzt, da die „SPÖ in der Krise“ stecke, argumentiert der Kanzler. Um dann sein letztes und wohl bestes Argument auszupacken:
Noch keine Entscheidung. Sollte „Benita“ das Rennen um die Hofburg doch noch gewinnen, müsse auch die ÖVP eine Regierungsumbildung machen. Allerdings nur dann, macht der Kanzler aus seinen Absichten kein Hehl. Frei nach dem Motto „Hilfst du meiner Benita, helfe ich euch bei eurer Regierungsumbildung“ sollen Haider und Co weichgeklopft werden.
Doch dann die Überraschung: Haider will gar nicht – wie von der ÖVP erwartet – konkret über die Regierungsumbildung sprechen. Der Kärntner Landeshauptmann gibt sich auffallend jovial, „direkt gut gelaunt“, erzählt ein Teilnehmer der illustren Runde, und doch scheint er nicht willens zu sein, Nägel mit Köpfen zu machen. „Wir haben uns noch gar nicht entschlossen, ob wir eine Empfehlung abgeben werden“, lässt Haider den ÖVP-Obmann zappeln.
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