Freitag, 2. April 2004

FORMAT über die Rebellion der Alten: Die Generation 50+ kommt!

  • 2035 wird es in Österreich mehr Pensionisten geben als Arbeiter
  • PLUS: 10 Thesen zur Zukunft der Alten-Gesellschaft!

Der nächste Krieg ist der Krieg der Generationen: Bereits 2035 werden die Alten die Mehrheit der Bevölkerung stellen. Radikales Umdenken ist notwendig, fordert der aktuelle Bestseller "Das Methusalem-Komplott".

"Sie wissen es zwar noch nicht, aber Sie gehören dazu. Im Krieg der Generationen sind Sie dabei. Sie gehören auf die Seite der Menschen, denen es in den nächsten Jahrzehnten aufgegeben ist, eine Revolution anzuzetteln." Mit diesem Satz beginnt das Buch "Das Methusalem-Komplott" von Frank Schirrmacher. Und mit diesem Satz rüttelt er eine ganze Generation auf: Der heute 44-jährige Herausgeber der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung" ruft seine Altersgenossen, die heute 30- bis 50-Jährigen, zum radikalen Umdenken auf - bei einem Thema, an das man nicht gerne denkt: das eigene Alter.

Denn das Problem der Überalterung der Gesellschaft ist ebenso gut angekündigt wie perfekt verdrängt. In den nächsten Jahren werden die Babyboomer in Pension gehen. 2050 wird die Hälfte der Österreicher über 51 Jahre alt sein - statt wie heute unter 40.

Die Folgen sind dramatisch. Anstatt sich mit 60 in den Ruhestand zu verabschieden, muss die Generation der heute Aktiven sich auf einen Lebensabschnitt einstellen, der länger ist als Kindheit, Ausbildung und erste Berufsjahre zusammen - bei immer weniger Kindern, die sie versorgen kann.

Die abgeschobene Mehrheit
Tatsächlich fühlt sich schon die Generation der heute über 50-Jährigen abgeschoben und unnütz und kämpft um ein neues Selbstbewusstsein. Sie leidet unter einer Diskriminierung, die blankem Rassismus gleichkommt.

Rudolf Bretschneider vom Fessel-GfK-Institut, der eine groß angelegte Untersuchung der "Generation 50+" geleitet hat teilt "die Alten" in vier Gruppen: die wohlhabenden "Flotten", die familienorientierten "Zufriedenen" und die "Neugierigen", die aktiv am Leben teilhaben wollen - nur die vierte Gruppe der "Zurückgezogenen" (27 Prozent) entspricht dem gesellschaftlichen Bild der Alten: Sie sind isoliert, krank und haben resigniert.

Wirtschaftsfaktor "Goldene Generation"
Die Marketingabteilungen sind fixiert auf die Zielgruppen der 12- bis 39-Jährigen - alles darüber ist irrelevant. Dabei sei diese zielgruppenfixierte Werbung längst nicht mehr zeitgerecht, meint Werber Mariusz Demner.

Die über 60-jährigen Österreicher haben ein mehr als doppelt so hohes Einkommen wie die umworbenen 30- bis 39-jährigen - aber sie werden von Gesellschaft und Wirtschaft kaum wahrgenommen. Das Österreichische Verkehrsbüro zum Beispiel, setzt nur verdeckt auf Ältere: "Wir bieten keine Seniorenreisen an - weil diese selbst davon abgeschreckt wären. Niemand will als alt gelten", erklärt Sprecher Andreas Zenker.

Die Trendwende kommt. In Deutschland hat sich bereits eine Reihe von Reiseveranstaltern, Werbern und Dienstleistern auf die neue Kaufkraft und Konsumfreude der "Alten" eingestellt. In Österreich ist die Trendwende zwar noch kaum spürbar, doch es gibt Ausnahmen: Die Generali-Versicherung etwa will eigene Produkte für die "Goldene Generation" entwickeln und Adeg eröffnete in Salzburg und Wien Filialen mit dem riesigen Schild "50+".

Kein Stopp der Vergreisung
Doch selbst wenn es sofort einen Babyboom gäbe, die Wirkungen wären erst in 20 Jahren spürbar. Zudem greifen die familienpolitischen Maßnahmen, die den Kinderreichtum der Österreicher erhöhen sollen, bisher nicht - trotz Kindergeld wurden 2003 weniger Kinder geboren als je zuvor.

Auch die einfache Hintertüre Zuwanderung, die eine Gesellschaft rasant verjüngen kann, nützt Österreich im Gegensatz zu den USA nicht. "Wir bräuchten mindestens 25.000 Netto-Zuwanderer pro Jahr. Und stehen bei lächerlichen 6.000 bis 8.000", sagt der Sozialforscher Bernd Marin.

Die ganze Story finden Sie im FORMAT NR.14!

2.4.2004 13:04