Mittwoch, 31. März 2004

Extreme Belastungen: Fitness-Coach für alle F1-Piloten

  • Bis zu vier Liter Flüssigkeitsverlust im Rennen
  • PLUS: Die besten Bilder vom GP in Malaysia

Waren Formel-1-Piloten früher wilde Burschen, die vor dem Start noch eine Zigarette rauchten und im Ziel ein kühles Bier zischten, haben heute alle Fahrer einen Fitness-Coach. Denn: ""Die körperliche und geistige Fitness sind der Schlüssel zum Erfolg in der Formel 1. Es genügt nicht, nur schnell zu sein, man muss in jeder Hinsicht 120 Prozent geben", erklärt der Vorarlberger Jaguar-Pilot Christian Klien.

Auf dem neuen 5,417 km langen Kurs auf der Golf-Insel Bahrain sind insgesamt 57 Rennrunden bzw. 308,769 km zu absolvieren. In dem rund eineinhalb Stunden dauernden Grand Prix inmitten einer spektakulären Felswüstenlandschaft werden die Fahrer wie zuletzt schon in Malaysia erneut extremen Belastungen ausgesetzt sein, vergleichbar nur denen in einem Kampfjet oder im Space Shuttle der NASA.

Das geht - noch dazu bei einem Hitzerennen wie in Bahrain - vor allem an die Substanz. "Ohne die entsprechende Fitness, hast du in diesem Sport keine Chance", sagt Daniel Dobringer. Der Wasserski-Fahrer aus Oberösterreich ist der persönliche Fitnesstrainer von Williams-BMW-Star Ralf Schumacher.

40 Tonnen Last für die Muskeln!
Die Kräfte, die während eines WM-Laufs auf den Körper des Fahrers einwirken, sind gewaltig. Bei Rennen auf anspruchsvollen Kursen, das haben Sportwissenschaftler errechnet, müssen die Muskeln von Nacken, Schulter, Armen und Beinen eine Last von insgesamt 40 Tonnen bewältigen!

Das heißt Schwerstarbeit für Bänder, Sehnen und Gelenke, denn keine andere Sportart setzt den Körper eines Athleten derart unter Stress wie die Formel 1. Beim Abbremsen von hohen Geschwindigkeiten und in superschnellen Kurven wurden schon mehr als 5 g - entspricht dem Fünffachen des eigenen Körpergewichts - gemessen. Das bedeutet, dass ein sechs Kilogramm schwerer Kopf und ein 1,5 kg schwerer Helm für einen kurzen Moment das Fünffache wiegen
- die Nackenmuskeln müssen also in dieser Phase 37,5 kg halten!

Auch Kraft in Beinen gefragt
Doch das ist nicht die einzige Qual für die Fahrer, auch ihre Beine werden extrem strapaziert. So sind etwa in Monza 212 Vollbremsungen während des Rennens nötig - jede davon mit einem Kraftaufwand von 80 kg. Auch das Lenken ist kein Kinderspiel: 40 Kilogramm braucht es, um auf Hochgeschwindigkeitskursen wie Spa und Suzuka, wo die Front- und Heckflügel maximalen Anpressdruck produzieren, die Reifen ohne Servolenkung zum Einschlagen zu bewegen.

Dazu kommt noch das Schalten: Im Schnitt wird pro GP 2.600 Mal der Gang gewechselt, auf dem Stadtkurs in Monaco sogar 3.100 Mal!

Sauna im Cockpit
Die Piloten erbringen diese Höchstleistungen unter extremsten Bedingungen. Von den Sechs-Punkt-Gurten im Sitz festgezurrt, fällt das Atmen schwer, wenn die Herzfrequenz Spitzenwerte von fast 200 Schlägen pro Minute erreicht.

Zumal in Hitzeschlachten wie in Malaysia und Bahrain unterm Overall schon Höchsttemperaturen von 60 Grad Celsius gemessen werden. Die Fahrer verlieren in solchen "Saunarennen" bis zu vier Liter Flüssigkeit! "Kein noch so austrainierter Langstreckenläufer, würde einen solchen Grand Prix durchstehen", glaubt deshalb der Salzburger Physiotherapeut Erwin Göllner, zuletzt Fitnesstrainer von Kanadas Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve.
(apa/red)

31.3.2004 10:59
Ergebnisse, WM-Stand, Team-Porträts