Dienstag, 30. März 2004

Bahrain-GP: Erst zweites Formel-1-Rennen in arabischem Land

  • Ungewohnte Verhältnisse: Legt Wüstensand die Boliden lahm?

Der Bahrain Racing Circuit ist am Wochenende der erste von zwei neuen Grand-Prix-Kursen, auf denen die Formel 1 in der heurigen Saison gastiert. Zum zweiten Mal in diesem Jahr wird die WM dann am letzten September-Wochenende in Shanghai (26.9.) unbekanntes Terrain betreten. Doch Bahrain ist nicht das erste arabische Land, in dem die Königsklasse des Motorsports startet. Der erste Anlass war 1958 der Große Preis von Marokko, den der legendäre Engländer Sir Stirling Moss in einem Vanwall gewann.

Bahrain ist ein seit 14. August 1971 vom britischen Protektorat unabhängiges arabisches Emirat. Aktuelles Staatsoberhaupt der seit 2002 konstitutionellen Monarchie ist König Hamad Bin Issa al Khalifa, der 1999 nach dem Tod seines Vaters Issa den Thron bestiegen sowie eine Demokratie-Charta und eine Verfassung mit quasi-parlamentarischen Elementen erlassen hat. Der Islam ist Staatsreligion, knapp 82 Prozent der Bevölkerung sind Muslime, davon 65 Prozent Schiiten. Knapp 670.000 Menschen leben auf den 33 Inseln von Bahrain, die insgesamt 710,9 Quadratkilometer umfassen, wobei die rund 160.000 Einwohner zählende Hauptstadt Manama auf der Hauptinsel Bahrain (578 km2) liegt.

Die neue Rennstrecke in der Stadt Sakhir im Süden der Hauptstadt Manama wurde vom deutschen Stararchitekten Hermann Tilke, auch der "Herr der Ringe" genannt, entworfen. Bis zum Grand Prix am Sonntag sind seit dem offiziellen Baubeginn gerade einmal 16 Monate vergangen, die Kosten für die Rennstrecke, die inmitten der Felswüste errichtet wurde, werden mit 150 Millionen Dollar (123,2 Mio. Euro) beziffert.

Mehr als 3.000 Menschen arbeiteten zu Spitzenzeiten an der 170 Hektar großen Anlage. 70.000 Kubikmeter Beton und 8.500 Tonnen Stahl wurden verbaut, außerdem 82.000 Reifen und 5.000 Meter FIA-Zaun zur Streckensicherung verwendet. 45.000 Zuschauer haben Platz entlang des Kurses, der insgesamt sechs Streckenvarianten bietet. Die längste ist der GP-Kurs mit 5,417 km und insgesamt 15, vorwiegend langsamen Kurven (sechs Links- und neun Rechtskurven) sowie drei Geraden. Für die Truppe von 500 Streckenposten hat sich Bahrain übrigens auch Unterstützung aus Österreich geholt, nachdem der Niederösterreicher Hans Geist, früherer Geschäftsführer des A1-Rings in Spielberg, bis Mitte November 2003 als General Manager in Sakhir fungiert hatte.

Neben den Temperaturen von mehr als 30 Grad Celsius im Schatten stellt vor allem der feine Wüstensand, der durch den Wind auf die Strecke geblasen wird, die Teams auf dem neuen Kurs in Bahrain vor zusätzliche Herausforderungen. Dieser kann als "High-Tech-Feind" sowohl funktionale als auch mechanische Probleme verursachen. So gilt es vor allem den Luftfilter zu verstärken, um zu verhindern, dass Sand über den Ansaugtrakt in den Motor gerät. Zudem wird die Strecke, die ohnehin ein niedriges Grip-Niveau aufweist, durch den "Wüstenstaub" noch rutschiger.

(apa/red)

30.3.2004 10:33
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