Donnerstag, 1. April 2004

Athen: Erst die Hälfte der Olympiastätten ist fertig

  • Auch Verzögerung bei Ausbau der Infrastruktur

Auf den Olympia-Baustellen in Athen herrscht Hochbetrieb. Etwas mehr als 130 Tage vor dem Beginn der Sommerspiele sind von 35 Schauplätzen erst knapp die Hälfte bereit, Arbeiten an der Infrastruktur (Eisenbahn-, Straßenbahnlinien) sind bei weitem noch nicht abgeschlossen. Manch einer der IOC-Granden ist skeptisch, ob auch alles bis zur Eröffnungsfeier am 13. August fertig wird, die als Improvisations-Künstler geltenden Griechen zweifeln aber nicht daran.

17 Olympia-Schauplätze stehen nach Angaben der Veranstalter bereit und sind zum Teil mit internationalen Wettkämpfen eingeweiht worden. Zehn seien zu 90 Prozent fertig gestellt, sechs weitere zu 80 Prozent, heißt es. Die größten Verzögerungen gibt es beim Bau des Karaiskaki-Fußball-Stadions (30.000 Plätze) in Piräus, auch bei Verbreiterung und Adaptierung der Marathon-Strecke steht die Einhaltung des Terminplans in Frage, nachdem eine neue Baufirma einspringen musste.

Dach bereitet Sorgen
Auf den Bau des Daches über dem Schwimmstadion hat man bereits verzichtet, auch das Dach des Olympiastadions im Stadtteil Maroussi bereitet Sorgen. Der Entwurf des spanischen Star-Architekten Santiago Calatrava verschlang den Löwenanteil an den Renovierungskosten für die 74.000 Zuschauer fassende Arena, die mit der Leichtathletik-WM 1982 eingeweiht worden war. Noch liegt das Glasdach, das als Wahrzeichen der Spiele gilt, in Einzelteilen auf einer Baustelle neben dem Stadion.

"Bis Ende Juni wird es fertig sein", versprach die zuständige Kulturministerin Fanny Palli-Petralia. Die Installationen für die Eröffnungsfeier und die weiteren Bewerbe der Spiele sollen nach Plan erst zwischen 20. und 27. Juli abgeschlossen sein. Die neue Regierung muss sich auch mit Kostenüberschreitungen herumschlagen, so soll das Olympiastadion 380 statt der budgetierten 250 Millionen Euro kosten.

Arbeiten rund um die Uhr
Der neue Premierminister Costas Karamanlis hat die Spiele zur Chefsache erklärt und wirft sein gesamtes politisches Gewicht in die Waagschale, um die rechtzeitige Übergabe der Bauten zu garantieren. Bei den vergangenen Sommerspielen 2000 in Sydney standen zum gleichen Zeitpunkt bereits alle Sportstätten bereit. In Athen wird an kritischen Punkten rund um die Uhr gearbeitet. Transport-Minister Michalis Liapas drängt die beteiligten Firmen, die Arbeiten an einer Eisenbahn-Strecke, U-Bahn- und Straßenbahnlinien zu beschleunigen, die als Verbindungen zum Flughafen bzw. den Sportstätten an der Küste enorme Bedeutung haben.

(apa/red)

1.4.2004 10:44