Coup gegen ETA: Vermutliche "Nummer zwei" in Frankreich gefasst
- "Mobutu" und Logistik-Chef festgenommen - Waffendepot und Bombenwerkstatt ausgehoben

Mit der Festnahme von Félix Alberto López de Lacalle ist der französischen Polizei ein schwerer Schlag gegen die ETA gelungen. Der 43-Jährige gilt als "Nummer zwei" der baskischen Untergrundorganisation und war nach spanischen Presseberichten vom Wochenende als derzeitiger Militärchef zuständig für ihre Terrorkommandos. Im Zuge der Ermittlungen entdeckten die Fahnder nach Angaben des spanischen Innenministeriums vom Sonntag in Südfrankreich außerdem zwei große Waffenlager der ETA.
Tausende Menschen demonstrierten am Samstagabend in Bilbao für die Unabhängigkeit des Baskenlandes.
López de Lacalle alias "Mobutu" und seine ebenfalls als Terroristin gesuchte Lebensgefährtin Mercedes Chivite waren am Freitagabend bei Angoulême in Südfrankreich gefasst worden. Stunden zuvor war der Polizei zudem der mutmaßliche ETA-Logistikchef Félix Ignacio Esparza Luri (41) ins Netz gegangen. Er war für die Beschaffung von Sprengstoff und gestohlenen Autos zuständig.
Mit den Festnahmen sei die ETA-Führung bis auf die langjährige "Nummer eins", Chefideologe Mikel Albizu alias "Antza", zerschlagen worden, erklärten Antiterror-Experten. "Mobutu" soll den Platz des im Dezember 2003 gefassten damaligen Militärchefs Gorka Palacios (29) eingenommen haben.
Nach den Festnahmen wurde in Südfrankreich am Samstagabend und am Sonntagmorgen zwei Waffenlager und Bombenwerkstätten der ETA ausgehoben. Die Polizei habe bei Bagnère-de-Bigorre vier bereits einsatzbereite Haftbomben, Dutzende Zünder, Waffen, mehrere gestohlene Fahrzeuge und Unterlagen sicher gestellt, teilte der spanische Innenminister Angel Acebes mit.
Auf einem Bauernhof bei Saint Michel nahe der französisch-spanischen Grenze wurden außerdem ein zweites Waffenlager und eine Werkstatt zur Herstellung von Bomben, Raketen und Raketenwerfern entdeckt. "Es könnte sich um eines der größten Waffenarsenale und Sprengstofflager handeln, über die die ETA derzeit verfügt", sagte der Minister. Der Hofbesitzer und ein mutmaßliches ETA-Mitglied seien festgenommen worden.
López de Lacalle gehörte der ETA seit 25 Jahren an. Im Jemen war er im Guerilla-Kampf ausgebildet worden. Die spanische Justiz wirft ihm mehrere Attentate mit mindestens einem Todesopfer vor. Seine ebenfalls gefasste Lebensgefährtin gilt als eine der gefährlichsten Terroristinnen der Organisation. Ihr werden fünf Morde zur Last gelegt. Unter anderem soll sie 1995 an dem Attentat auf den damaligen Oppositionsführer und späteren Ministerpräsidenten José María Aznar in Madrid beteiligt gewesen sein. Er hatte die Explosion einer Autobombe damals leicht verletzt überstanden.
Spanien hat sich bei den Vereinten Nationen schriftlich für die übereilte Beschuldigung der ETA als Verantwortliche für die Anschläge des 11. März in Madrid entschuldigt. Auf Drängen Spaniens hatte der Weltsicherheitsrat die folgenschweren Attentate noch am selben Tag einstimmig verurteilt und die ETA namentlich für den Tod der rund 200 Opfer verantwortlich gemacht. Der spanische UN-Botschafter Inocencio Arias bedauert in seinem Brief vom Freitag, den Rat unbeabsichtigt irregeführt zu haben. "Es tut mir Leid", schrieb er.
(apa, red)
