Afghanistan-Konferenz: Truppenpräsenz wird verstärkt
- ISAF-Soldaten sollen bis zu ersten Wahlen im Land bleiben
- Afghanischer Präsident Karzai zeigt sich "sehr zufrieden"
Die internationale Militärpräsenz in den Provinzen Afghanistans soll bis zu den ersten freien Wahlen im September verstärkt werden. Bis Sommer sollen fünf neue regionale Wiederaufbauteams gebildet werden. Das geht aus der Abschlusserklärung der internationalen Afghanistan-Konferenz in Berlin hervor. ISAF-Soldaten bleiben so lange in Afghanistan, bis das Land selbst für Sicherheit sorgen kann.
US-Außenminister Powell rief die internationale Gemeinschaft dazu auf, Afghanistan bei der Wiederherstellung von Sicherheit und Stabilität beizustehen. Andernfalls drohten die seit dem Sturz der Taliban vor rund zweieinhalb Jahren erzielten Fortschritte zunichte gemacht zu werden, sagte Powell am Donnerstag in Berlin. Die USA seien bereit, Truppen zu stellen, "bis Afghanistan seine Sicherheit selber gewährleisten kann".
Weitere Hilfe bei Wiederaufbau
Die Mitglieder der Afghanistan-Konferenz haben dem Land weitere Hilfe beim Wiederaufbau zugesagt. In der "Berliner Erklärung" zum Abschluss des zweitägigen Treffens hieß es: "Wir sind entschlossen, die gemeinsamen Anstrengungen des afghanischen Volkes und der internationalen Gemeinschaft beim Wiederaufbau und der Reform der politischen, sozialen und wirtschaftlichen Strukturen Afghanistans fortzusetzen." Darunter fallen die Afghanistan-Schutztruppe (ISAF), die Entwaffnung regionaler Milizen und der Kampf gegen Drogen.
Zudem werden 8,2 Milliarden Dollar (6,71 Mrd. Euro) Aufbauhilfen in den nächsten drei Jahren und die bereits länger geplante Entsendung von fünf regionalen Wiederaufbauteams aus Soldaten und zivilen Aufbauhelfern in Aussicht gestellt. Sie sollen die Sicherheit in Provinzen außerhalb Kabuls verbessern, wo die Herrschaft regionaler Provinzfürsten der Autorität der Zentralregierung unter Übergangspräsident Karzai begrenzt.
Karzai: "Sehr zufrieden"
Der afghanische Präsident Karzai bezeichnete die dritte Afghanistan-Konferenz als "guten Erfolg". Er sei "sehr zufrieden" mit den Zusagen der internationalen Gemeinschaft auf der Berliner Konferenz, sagte Karzai. "Wir sind allen Ländern dankbar, die Beiträge geleistet haben." Priorität habe nun die Sicherung der für September geplanten Parlaments- und Präsidentenwahlen, auch wenn noch nicht feststehe, wieviele zusätzliche ausländische Truppen dafür benötigt würden.
Weitere Hilfen will die Staatengemeinschaft beim Aufbau rechtsstaatlicher Institutionen, bei grundlegenden Verwaltungsreformen, beim Wiederaufbau des Schulsystems und bei der Absicherung der Chancengleichheit für Frauen leisten. Auch die Wirtschaft soll reorganisiert werden. Karzai verwies auf die Erdölvorkommen, dessen Volumen unklar sei. (apa)
