Donnerstag, 1. April 2004

Glimpfliches ICE-Unglück: Menschliches Versagen war Ursache

  • Traktor stürzte auf Schienen und brachte Lok zum Entgleisen
  • 40-jähriger Winzer außer Lebensgefahr

Der ICE-Unfall im südbadischen Efringen-Kirchen ist wohl auf menschliches Versagen des verunglückten Traktorfahrers zurückzuführen. Erste Ermittlungen des Bundesgrenzschutzes (BGS) ergaben, dass der Landwirt wegen eines Fahrfehlers von einem angehängten Pflug über die Kante des Steilhangs geschoben wurde und so auf die Gleise stürzte.

Der 40-jährige Winzer, der Donnerstag 20 Meter tief auf die Gleise gestürzt war, erlitt Rückenverletzungen und ist mittlerweile außer Lebensgefahr. Die Bahnstrecke Basel-Freiburg wurde komplett repariert und wieder freigegeben.

Der BGS konnte den Traktorfahrer inzwischen kurz befragen. Demnach hatte der Winzer zwar den Traktor an der Kante oberhalb des Kirchbergtunnels rechtzeitig abgebremst und ausgekuppelt, versehentlich aber nicht den Antrieb des speziellen Bodenlockerungsgeräts ausgeschaltet.

Nach dem darauf folgenden Absturz auf die Schienen habe er sich noch selbst aus der verglasten Fahrerkabine retten können, bevor Sekunden später der ICE600 Richtung Dortmund in den Traktor prallte und diesen zerschmetterte.

Strecke auf 100 Metern repariert
An dem beschädigten Gleis mussten über Nacht zirka 40 Betonschwellen und 100 Meter Gleis ausgewechselt werden, ein Oberleitungsmast wurde gerichtet. Eine Bahnsprecherin in Stuttgart erklärte, seit kurz vor 05.00 Uhr sei die Strecke wieder komplett befahrbar gewesen. Über die Höhe des entstandenen Schadens konnte die Sprecherin bislang keine Angaben machen. Das Eisenbahnbundesamt habe die Ermittlungen aufgenommen.

Knapp einer Katastrophe entgangen
Bei dem Unfall war ein ICE am Donnerstag nur knapp einer Katastrophe entgangen. Der mit 100 Passagieren besetzte Schnellzug prallte auf einen Traktor, der kurz zuvor von dem Weinberg abgestürzt war. Bei dem Vorfall sprang der ICE-Triebkopf aus den Gleisen und schrammte einen in Gegenrichtung passierenden Zug. Alle Zugfahrgäste blieben unversehrt; nur eine Frau klagte über Kreislaufprobleme. Entgegen ersten Meldungen vom Donnerstag erlitt der Lokführer keinen Schock, wie die Bahnsprecherin in Stuttgart sagte.
(apa/red)

1.4.2004 10:31