Donnerstag, 1. April 2004

Razzia: SFOR-Einsatz zur Ergreifung von Karadzic scheiterte

  • Trotz 40 Soldaten bleibt Suche nach Kriegsverbrecher erfolglos
  • SFOR-Sprecher: "Wir haben ihn nicht gefunden"

Die NATO-geführte Friedenstruppe SFOR hat am Donnerstag eine weitere Fahndungsaktion zur Ergreifung des mutmaßlichen Kriegsverbrechers Radovan Karadzic in der bosnischen Stadt Pale erfolglos beendet. "Wir haben ihn nicht gefunden", sagte ein SFOR-Sprecher der Nachrichtenagentur AFP.

Etwa 40 Soldaten sowie Anti-Krawall-Einheiten durchkämmten demnach in den Morgenstunden eine orthodoxe Kirche und das Haus eines verdächtigen Priesters in Pale, einer früheren Hochburg von Karadzic. Bei dem Einsatz seien zwei Zivilisten verletzt worden, sagte ein SFOR-Verantwortlicher.

Nach übereinstimmenden Aussagen von Augenzeugen landete ein SFOR- Hubschrauber in der Nähe der Kirche, weitere Soldaten waren kurz zuvor mit zwei Minibussen und einem Zivilfahrzeug in den Kirchgarten gefahren. Nach der Landung des Helikopters seien heftige Detonationen und Gewehrschüsse zu hören gewesen.

Zahlreiche Versuche, den seit 1996 flüchtigen Karadzic zu fassen, schlugen bereits fehl. Der 58-Jährige ist vor dem UN-Tribunal in Den Haag wegen Völkermords, Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit während des Bosnien-Krieges (1992 bis 1995) angeklagt. Ihm wird unter anderem die Hauptverantwortung für das Massaker in Srebrenica 1995 zur Last gelegt, bei dem mehr als 7.000 Menschen getötet wurden.

Die USA und die UNO drängten wiederholt die serbische Regierung, mehr für die Verhaftung von Karadzic zu tun. Wegen der schleppenden Zusammenarbeit Serbiens mit dem UN-Kriegsverbrechertribunal in Den Haag fror Washington am Mittwoch zugesagte Hilfen für das Land in Millionenhöhe ein.
(apa)

1.4.2004 07:45