Donnerstag, 1. April 2004

Wiedervereinigung: Zypern stimmt am 24. April ab

  • UNO-Generalsekretär Annan hofft auf ein wiedervereintes Zypern
  • Türkischer Volksgruppen-Führer erteilt Annan-Plan Absage

Die Bevölkerung Zyperns wird am 24. April über den UN-Plan zur Wiedervereinigung der geteilten Mittelmeer-Insel abstimmen. Das sagte UNO-Generalsekretär Annan am Mittwochabend im schweizerischen Bürgenstock, wo die Vertreter der türkischen und griechischen Volksgruppe Zyperns sowie Griechenlands und der Türkei eine Woche lang erfolglos über eine Einigung verhandelt hatten.

Die zypriotische Bevölkerung habe die Wahl zwischen einer Lösung der Jahrzehnte alten Frage oder keiner Lösung, mahnte Annan zum Abschluss der Verhandlungen. "Mein Schlichtungsplan bietet die beste Chance auf Frieden, Wohlstand und Stabilität." Zu viele Chancen seien in der Vergangenheit verpasst worden.

Bei den Verhandlungen über den UN-Wiedervereinigungsplan für Zypern erzielten die Konfliktparteien nach den Worten des griechischen Regierungschefs Kostas Karamanlis keine Einigung. "Es stellte sich leider als unmöglich heraus, zu einer gemeinsamen Lösung zu kommen", erklärte Karamanlis am Donnerstag früh am Verhandlungsort. Die endgültige Entscheidung über den Plan liege nun beim zypriotischen Volk und seinen Führern. Er sei sicher, dass die zypriotische Bevölkerung bei ihrer Entscheidung "Verantwortung, Weisheit und Weitsicht" beweisen werde.

Bei einem Scheitern der Verhandlungen war der UN-Generalsekretär von beiden Seiten bevollmächtigt worden, die verbliebenen Streitpunkte zu regeln und seinen Plan der griechischen und türkischen Volksgruppe auf Zypern in getrennten Referenden zur Abstimmung vorzulegen. Die Türkei äußerte ihre Unterstützung für den Plan. Er hoffe, dass "ein wiedervereintes Zypern der EU am 1. Mai beitreten wird", betonte Annan.

US-Außenminister Colin Powell hat den UN-Kompromissvorschlag zur Wiedervereinigung Zyperns begrüßt. "Das ist ein historischer Moment und ein kraftvolles Signal der Versöhnung", teilte Powell am Donnerstagmorgen in Berlin mit. Der Vorschlag Annans sei "fair". Die Entscheidung liege nun aber bei den Bewohnern Zyperns.

Volksgruppenführer erteilt Annan-Plan Absage
Der Volksgruppenführer der Türken auf Zypern, Rauf Denktas, hat am Donnerstag die endgültige Fassung des UNO-Plans zur Wiedervereinigung der Insel abgelehnt. "Im Moment sehe ich nichts, um Ja zu dem Plan zu sagen", erklärte der 80-Jährige. Es sei aber nicht wichtig, ob er Ja oder Nein sage. Wichtig sei, wie sich das Volk entscheiden werde. Welches Ergebnis bei den für den 24. April angesetzten Volksabstimmungen herauskommen werde, könne er nicht sagen.

Allerdings räumte Denktas ein, dass es "auf jeden Fall Änderungen zu unseren Gunsten" in dem von UNO-Generalsekretär Kofi Annan vorgelegten Plan gegeben habe und das "unter schwierigen Bedingungen". Denktas, an dem der Annan-Plan vor ziemlich genau einem Jahr in Den Haag gescheitert war, hatte an den Verhandlungen bei Luzern nicht teilgenommen. An seiner Stelle war eine Delegation unter dem türkisch-zypriotischen Ministerpräsidenten Mehmet Ali Talat angereist.

(apa/red)

1.4.2004 07:25