Mittwoch, 31. März 2004

Gräuelszenen in Falluja: Leiche nach Attentat durch die Straßen geschleift

  • Neue Anschläge fordern zehn Tote, darunter sechs US-Bürger

Bei neuen Anschlägen und Überfällen im Irak sind am Mittwoch zehn Menschen ums Leben gekommen, unter ihnen mindestens sechs US-Bürger. Nach dem Angriff auf einen zivilen Konvoi in Falluja kam es zu Gräuelszenen, bei denen Leichen der Opfer öffentlich zur Schau gestellt wurden. Nordöstlich von Bagdad wurde zudem ein Selbstmordanschlag auf einen irakischen Regierungskonvoi verübt. In der Schiiten-Stadt Najaf protestierten Studenten gegen das Vorgehen der Polizei.

Bei einem der schwersten Bombenanschläge auf die amerikanischen Truppen im Irak seit Anfang Jänner kamen nach Militärangaben fünf US-Soldaten ums Leben. Augenzeugen sagten dem Nachrichtensender Al Arabiya, die Getöteten seien Zivilisten. Der Sprengsatz explodierte nach Berichten von Augenzeugen unter einem Militärfahrzeug in Malahma, etwa 20 Kilometer nordwestlich von Falluja. In der Region, die als Hochburg des bewaffneten Widerstands gegen die amerikanische Besatzung gilt, sind amerikanische Marineinfanteristen stationiert.

Gräuelszenen in Falluja
In Falluja selbst wurde ein ziviler Konvoi von zwei Geländewagen überfallen. Dabei kamen mindestens vier Ausländer zum Opfer, darunter ein Amerikaner. Die Insassen wurden von mehreren Männern mit Handfeuerwaffen und Granaten angegriffen und getötet. Die Angreifer setzten die Wagen in Brand. Auf TV-Bildern war zu sehen, wie ein Mann mit einer Eisenstange auf eine Leiche einschlug. Andere banden eine Leiche an einem Auto fest und fuhren damit unter dem Jubel von Passanten durch die Straßen. Wenig später wurden die Überreste der Leichen kopfüber an eine Brücke gehängt, wo sie weiter mit Steinen beworfen wurden.

US-Truppen blieben im Hintergrund
Umstehende riefen "Lang lebe der Islam" und "Rache für Saddam" und kündigten an, Falluja werde der "Friedhof" der US-geführten Streitkräfte werden. Ein vermummter Demonstrant drohte, die Menge warte bereits darauf, dass Soldaten die Toten abholten. Dann würden die Iraker die Ankommenden ebenfalls "in Stücke schneiden". Nach dem Überfall war es in Falluja ruhig. Amerikanische Truppen oder irakische Polizisten waren nicht zu sehen.

Selbtsmordanschlag in Bakuba
Beim Selbstmordanschlag im nordirakischen Bakuba brachte der Angreifer den Sprengstoff in seinem Auto zur Explosion, als er sich dem Konvoi näherte, wie Polizeisprecher Ali Hussein mitteilte. Der Attentäter kam ums Leben, weitere sechs Menschen wurden verletzt. Der Anschlag galt offenbar dem Gouverneur der Provinz Diala, Abdullah el Jubori. Zum Zeitpunkt des Anschlags sei er jedoch nicht in seinem Wagen gesessen, sagte der Polizeisprecher. Bei den Verletzten handelte es sich um drei Leibwächter des Gouverneurs und drei Unbeteiligte.

Es war bereits der zweite Selbstmordanschlag im Irak innerhalb von zwei Tagen. Am Dienstag hatte sich ein Attentäter vor dem Haus des Polizeichefs von Hillah in die Luft gesprengt. Der Angreifer wurde getötet, sieben weitere Menschen erlitten Verletzungen.

(apa/red)

31.3.2004 15:29