Dienstag, 30. März 2004

Schlag gegen den Terror: 8 Verhaftungen in London!

  • Halbe Tonne Ammoniumnitrat sichergestellt
  • 700 Antiterror-Spezialisten waren im Einsatz

Im Zuge von Kommandoaktionen gegen mutmaßliche Terroristen wurden am Dienstag in mehreren Staaten Razzien, Verhaftungen und Beschlagnahmen durchgeführt. So verhaftete die britische Polizei in einer ihrer größten Antiterroraktionen acht islamische Terrorverdächtige im Großraum London. Wie Scotland Yard berichtete, wurde dabei auch eine halbe Tonne Ammoniumnitrat gefunden, das Hauptbestandteil vieler Sprengstoffe ist. Im Rahmen der Ermittlungen zu den blutigen Anschlägen von Madrid sind in Spanien zwei weitere Verdächtige in Untersuchungshaft genommen worden.

Rund 700 Antiterror-Spezialisten schlugen in den frühen Morgenstunden in Wohn- und Geschäftshäusern in Sussex, Thames Valley, Surrey, Bedfordshire und der britischen Hauptstadt zu. Bei den Verhafteten im Alter zwischen 17 und 32 Jahren handle es sich um britische Staatsbürger, hieß es weiter. Es gebe keinen Zusammenhang mit den El-Kaida-Anschlägen in Madrid, sagte der nationale Koordinator für Terrorismus, Peter Clarke, auf einer Pressekonferenz. Bei der Aktion wurden nach den Angaben auch nicht näher bezeichnete Gerätschaften und Dokumente sichergestellt. Einer der Verhafteten wurde in der Nähe des internationalen Flughafens Gatwick gefasst.

Den Verhaftungen waren Warnungen des ranghöchsten britischen Polizeibeamten Sir John Stevens vorausgegangen, dass Anschläge der Terrororganisation El Kaida in Großbritannien unvermeidlich seien. Der Chef der Londoner Metropolitan Police hatte nach den Anschlägen in Madrid vom 11. März gesagt: "Wir wissen, dass wir terroristische Anschläge in London verhindert haben, aber es ist unausweichlich, dass wie auch immer geartete Angriffe geschehen werden. Meine Aufgabe ist es sicherzustellen, dass dies nicht passiert."

Der spanische Ermittlungsrichter Juan del Olmo verdächtigt unterdessen einen der beiden am Dienstag Verhafteten, den Syrer Basel Ghayoun, direkt an den Anschlägen vom 11. März beteiligt gewesen zu sein, bei denen nach jüngsten Angaben 191 Menschen getötet und weitere 1.900 verletzt wurden. Ghayoun war in der vergangenen Woche in der Provinz Toledo festgenommen worden. Bei dem zweiten Mann handelt es um einen Marokkaner namens Ahmed Ahmidan, der in der vergangenen Woche in einem Stadtteil Madrids gefasst worden war. Gegen ihn wurde Untersuchungshaft wegen des Verdachts der Zusammenarbeit mit einer bewaffneten Bande sowie des Drogenschmuggels erlassen. Nach mehrstündigem Verhör wurden gleichzeitig drei weitere Verdächtige wieder freigelassen. Dabei handelte es sich um einen Spanier syrischer Abstammung sowie um zwei Marokkaner.

Die philippinischen Behörden haben nach eigenen Angaben geplante Bombenanschläge ähnlichen denen von Madrid im eigenen Land vereitelt. Bei einer Razzia seien 36 Kilogramm des Sprengstoffs TNT sichergestellt und vier muslimische Extremisten verhaftet worden, teilte die philippinische Präsidentin Gloria Macapagal Arroyo am Dienstag mit. Bei den Festgenommenen handelt es sich angeblich um Mitglieder der militanten Muslimgruppe Abu Sayyaf. Der Sprengstoff sollte demnach für Attentate auf Züge und Einkaufszentren verwendet werden.

Der deutsche Innenminister Otto Schily hat indessen seinem bayerischen Kollegen Günther Beckstein Panikmache vorgeworfen. Mit seiner Äußerung, die Gefahr eines islamistischen Terroranschlages in Deutschland sei akut, wolle der CSU-Politiker offenbar "Unruhe in der Bevölkerung schüren". Er selbst habe "unmittelbaren Zugang" zu Informationen des Bundeskriminalamtes, und die Behörde stimme mit ihm überein, dass Deutschland Teil eines allgemeinen Gefahrenraumes, wie andere Länder auch sei, sagte Schily am Dienstag im ZDF-Morgenmagazin. Bereits am Sonntag hatte Becksteins Bemerkung, die Gefahr eines islamistischen Terroranschlags in Deutschland sei höher als von der Bundesregierung eingeschätzt, im rot-grünen Lager Unverständnis ausgelöst. (apa/red)

30.3.2004 14:23