Samstag, 3. April 2004

Flüchtlingslager unter Beschuss: Ärztekammer ortet Missstände in Traiskirchen

  • "profil": NÖ-Ärztekammer hält verantwortbare medizinische Betreuung für unmöglich
  • Viele Patienten können nicht ordnungsgemäß behandelt werden

Nach Beurteilung der niederösterreichischen Ärztekammer die ordnungsgemäße medizinische Versorgung der Asylwerber im Flüchtlingslager Traiskirchen nicht gewährleistet. In einem Brief an Innenminister Ernst Strasser teilt die Ärztekammer mit, die Missstände nicht mehr hinnehmen zu wollen.

Die Unterbringung der Insassen in Großschlafsälen sei "katastrophal" und berge sogar die Gefahr von Infektionskrankheiten, weil diese unter den gegebenen Umständen kaum zu beherrschen seien. Die Erstellung korrekter Diagnosen und Therapien seien wegen fehlender Dolmetscher nicht möglich, berichtet das neue profil. Die Zahl der Behandlungsbedürftigen, die nicht "lege artis" behandelt werden können, sei groß.

Die Lagerleitung in Traiskirchen weist die Vorwürfe gegenüber "profil" zurück. Innenminister Strasser hat eine Prüfung der Situation angekündigt.

Die Ärztekammer erklärte, in einer Aussendung, worum es ihr gehe: Die Arbeitsbedingungen für Mediziner im Lager seien "verbesserungswürdig". Wenn Flüchtlinge zu zwanzigst in einem Raum untergebracht seien, das Licht schlecht sei, es darüber hinaus auch noch Sprachprobleme gebe - dann sei es schwer, seriöse Diagnosen zu stellen. Und darüber wolle man mit dem Innenministerium sprechen.

Klar sei aber: wenn auf 100 Quadratmetern 45 oder 50 Menschen untergebracht seien und einer die Grippe bekomme, stecke er alle an.
(profil, apa, red)

3.4.2004 08:52