Mittwoch, 31. März 2004

Aus für "U-Express": "Krone"-Chef Dichand stocksauer

  • "Überraschende Einstellung erfolgte gegen meine Stimme"
  • Aus für Gratis-Blatt nach drei Jahren wegen "ständig steigenden Kosten"

Der "U-Express", die Gratiszeitung aus dem Hause Mediaprint, ist am Mittwoch nach drei Jahren zum letzten Mal erschienen. Begründet wird dies in der Mittwoch-Ausgabe mit "ständig steigenden Kosten", die einen "drohenden Qualitätsverlust" bedeuteten. Harsche Worte zur Einstellung des findet "Kronen Zeitung"-Chef Hans Dichand. "Man stellt den 'U-Express' ein, ohne dass ich Gelegenheit hatte, mich von den Mitarbeitern und Mitarbeiterinnen zu verabschieden", schreibt er in der Donnerstag-Ausgabe der "Krone" unter dem Titel "Keine Manieren?" Dichand weiter: "Gelten für große Konzerne nur noch Profite?"

Der Zeitungsgründer ist ganz offenkundig vergrämt über die Entscheidung seiner Partner, die Gratiszeitung nicht weiterzuführen. Er habe gegen die "überraschende" Einstellung protestiert, diese sei "gegen meine Stimme" erfolgt. Dabei habe sich der "U-Express" hohen Leserzuspruchs erfreut, "die Inserate stiegen und versprachen Gewinne". Nun würden "fast alle" ihren Job verlieren. APA-Informationen zufolge bestand das "U-Express"-Team aus rund 18 Mitarbeitern.

Doch der "U-Express" lag am Mittwoch zum letzten Mal in den Wiener U-Bahn-Stationen auf - und auch auf dem Boden, wo er häufig landete. Den Wiener Linien entgeht nun übrigens ein "Körberlgeld": Laut Wiener Linien-Sprecher Johann Ehrengruber gab es eine Vereinbarung mit dem "U-Express", die auf zwei Säulen fußte: Die Standortmiete für die Entnahmestellen der Gratiszeitung sowie die Abgeltung des zusätzlichen Reinigungsaufwandes. Die Vereinbarung sei "für beide Seiten interessant" gewesen. Genaue Zahlen wollte er nicht nennen.

WAZ und Raiffeisen gegen Weiterführung
Die Einstellung der Erfindung von Dichand hatte sich bereits in den vergangenen Wochen abgezeichnet. Medienberichten zufolge laufen mit Mittwoch die Verträge aus, die Mediaprint-Gesellschafter WAZ (Westdeutsche Allgemeine Zeitung) sowie die Raiffeisen hätten sich aber gegen eine Verlängerung ausgesprochen.

"Wir danken allen Lesern und Inserenten für ihre Treue und die vielen zustimmenden Reaktionen, die uns immer ein Ansporn waren, den 'U-Express' noch besser zu machen", hieß es am Mittwoch. Kämpferischer gab sich da der Bildtext der "Nackerten" von Seite zwei, am Mittwoch durch eine entspannte und natürlich unbekleidete Badenixe repräsentiert: "Auch wenn ihr sie nicht wiederseht/die Nackte niemals untergeht", so die tröstenden Worte. (apa/red)

31.3.2004 11:07