Samstag, 27. März 2004

Nach Insolvenz: Parmalat-Belegschaft soll fast halbiert werden

  • Nahrungsmittelkonzern wird sich von einem Großteil der Töchter trennen
  • Endgültige Fassung des Umstrukturierungsplans im Mai

Der insolvente italienische Nahrungsmittelkonzern Parmalat wird sich von fast der Hälfte seiner Belegschaft trennen. Dies berichtete Parmalats Insolvenzverwalter Enrico Bondi im Gespräch mit den Hauptgläubigern des Konzerns. Das Personal wird von 32.000 auf 17.000 Mitarbeiter reduziert, was hauptsächlich durch die Veräußerung nicht-strategischer Töchter des Konzerns erfolgen soll.

Die Zahl der Parmalat-Töchter wird von 46 auf 18 sinken, jene der Produktionswerke weltweit von 132 auf nur noch 77. Auch die Zahl der Marken im Portfolio des Milchproduzenten wird von 121 auf 88 zusammenschrumpfen, berichtete Bondi. Er versicherte, dass er die endgültige Fassung des Umstrukturierungsplans im Mai vorstellen werde. Seinem Projekt zufolge wird Parmalat nicht mehr in 30 Ländern wie bisher, sondern nur noch in zehn präsent sein, in denen seine Position am stärksten ist.

Bis 2006 hofft der Manager, den Konzernumsatz auf zirka vier Milliarden Euro zu steigern. Eine Hauptrolle in der neuen Parmalat sollen die Hauptgläubiger spielen. Dank einer Umwandlung ihrer Schulden in Aktien sollen sie eine Beteiligung zwischen 25 und 33 Prozent an der Gesellschaft übernehmen. Eine Fortführung des Unternehmens sei für die Gläubiger vorteilhafter als eine Zerschlagung, meinte Bondi. Parmalat schuldet den 50 Hauptgläubigern des Konzerns sieben Milliarden Euro.

Bondi zeigte sich über die künftige Entwicklung bei Parmalat zuversichtlich. Das Unternehmen sei gesund, wie aus den Resultaten der ersten beiden Monate zu entnehmen sei. Der Umsatz im Jänner und Februar habe weltweit 762,6 Millionen Euro und der Ebitda 20,9 Millionen Euro betragen. Allein in Europa setzte Parmalat 299,4 Millionen Euro um.

Inzwischen ermitteln die Mailänder Staatsanwälte weiter um die Hintergründe des Parmalat-Zusammenbruchs. Am Montag werden drei Mailänder Ermittler im römischen Hauptquartier der Banca d'Italia erwartet, wo sie Informationen über die Emission von Parmalat-Anleihen sammeln wollen. Die Untersuchung konzentriert sich weiterhin auf die Rolle der Banken.

Vier Manager mit Verbindungen zur Bank of America werden beschuldigt, 21 Millionen Dollar (17,3 Mill. Euro) unterschlagen zu haben. Zu den Verdächtigen zählt auch der Ex-Funktionär Luca Sala, der im vergangenen Jahr das US-Geldhaus verlassen hatte und in den Dienst des Parmalat-Firmengründers Calisto Tanzi getreten war. Luca Sala war vor zwei Monaten festgenommen worden. (apa)

27.3.2004 11:18