FORMAT über Ex-Voest-Chef: Brasilien-Job für Struzl
- Comeback in Campinas
- Ab 1. Mai bei Böhler-Tochter Villares Metals

Seit Ende März steht fest, was Franz Struzl gegenüber FORMAT erstmals offiziell bestätigte: Der 61-jährige, über einen Insider-Deal gestolperte, Ex-Voest-General Manager übersiedelt nach 36 Jahren bei der Voest in die Dienste des Edelstahlkonzerns Böhler-Uddeholm und wird am 1. Mai die Leitung der Villares Metals S. A. in Brasilien übernehmen.
Struzl gegenüber FORMAT: "Es geht nur noch um ein paar klein geschriebene Dinge. Ich zweifle nicht an einem Abschluss." Der Vertrag wird dieser Tage unterschrieben. Die heikle Personalie wurde dem Böhler-Aufsichtsrat bereits am vergangenen Mittwoch präsentiert.
Zum ehrenvollen Karriereausgang verhilft dem Voest-Urgestein ausgerechnet ein Mann, der zur Insideraffäre um Franz Struzl im vorigen Sommer eindeutig Position bezogen hatte: Nachdem die Zockerei mit Aktien der VA Eisenbahnsysteme ruchbar geworden war, plädierte Böhler-Chef und Struzl-Freund Claus Raidl ohne Wenn und Aber für einen Rücktritt. "Ich habe eine abweichende Meinung vertreten, war aber in der Öffentlichkeit relativ zurückhaltend", sagt Raidl: "Zwischen mir und Struzl blieb keine Missstimmung zurück."
Für Böhler-Uddeholm in Brasilien
Dass Struzl mit der brasilianischen Villares nun die Führung der jüngsten Tochter des Edelstahlweltmarktführers Böhler-Uddeholm übernimmt, war dennoch eine Überraschung. Böhler hat das Unternehmen gerade um 74 Millionen Dollar gekauft - die größte Übernahme seit der Akquisition der schwedischen Uddeholm in den neunziger Jahren.
Das Comeback in Campinas bedeutet auf der Karriereleiter nicht gerade einen Sprung nach oben: Bei der Voest befehligte Franz Struzl 23.000 Mitarbeiter und rund 4,5 Milliarden Euro Umsatz. Villares setzt mit 1.400 Beschäftigten 184 Millionen Dollar um. "Aber ich habe immer gesagt, dass ich am Ende meiner Laufbahn noch einmal etwas Pionierhaftes machen will."
Struzl: "Nicht wegen des Geldes"
Auch auf die fast 700.000 Euro Jahresgage, die Struzl bei der Voest zuletzt verdiente, wird er bei Böhler nicht mehr kommen. Raidl zahlt dem Vernehmen nach nur gut die Hälfte - plus Haus, Auto und Freiflüge in die Heimat. Struzl, knapp: "Finanziell war es bei weitem nicht das beste Angebot. Ich habe wider den Rechenstift entschieden." Als Trostpflaster kommen 1,8 Millionen Euro brutto Ablöse für seinen Voest-Vertrag dazu.
Franz Struzl, der zwar noch kein Portugiesisch, aber leidlich Spanisch spricht ("Ich kann mich fließend unterhalten, weil ich oft in Südamerika Bergsteigen war"), wird sich mit einem Großkunden von Anfang an blendend verstehen: Viktor Klima, ein alter Spezi aus Verstaatlichten-Zeiten, kauft für VW Argentinien im großen Stil Edelstahlprodukte bei Villares ein.
(FORMAT Nr. 13)
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