Mittwoch, 24. März 2004

Bier her! Erstmals seit 1997 liegt der Verbrauch wieder bei 110 Liter

  • Brau-Union verzeichnet wieder Zuwächse im Bierverkauf
  • Zahl der Braustätten in Österreich stieg von 127 auf 145

Trendwende zurück zum Österreichischen Nationalgetränk. Der Bierkonsum nahm 2003 neuerlich zu und liegt nun bei einem Pro-Kopf_Verbrauch von 110 liter. Im Durchschnitt trinken die Österreicher 1,5 Liter Bier mehr als noch im Jahr davor. Auch der Rekord-Sommer sorgte für Anstieg beim Bierausstoß auf 8,89 Millionen Hektoliter.

Obmann des Brauereiverbandes und Vorstand der Brau Union, Johann Sulzberger, zeigt sich erfreut über die positive Bilanz. Er führt den zweiten Anstieg in Folge nicht nur auf den heißen Sommer zurück, der "natürlich eine Rolle gespielt" habe, sondern ortet auch eine "kleine Trendwende" nach oben beim Bierkonsum. Durch die EU-Erweiterung könnte ein Teil des Mehrkonsums allerdings durch Kofferraumimporte etwa aus Tschechien gedeckt werden, befürchtet Sulzberger.

Konkret tranken die Österreicher im Vorjahr 110 Liter pro Kopf, um 1,4 Prozent bzw. 1,5 Liter mehr als 2002. Der Gesamtausstoß der heimischen Brauwirtschaft stieg um 1,8 Prozent auf 8,89 Mio. Hektoliter, von denen 8,43 Mio. hl (+1,7 Prozent) im Inland blieben. Sulzberger führt die Zunahme auf drei Faktoren zurück: Zum einen habe der "Oberste Bierverkaufsleiter - Petrus - gut gearbeitet" und für die hohen Temperaturen im Sommer gesorgt, zum anderen hätten die Biertrinker zu "ihrer Trink-Form" zurückgefunden, drittens hätten Brauereien ihre Qualität gehalten, obwohl dies angesichts der Hitze nicht selbstverständlich sei.

Mehr Braustätten
Die Zahl der Braustätten in Österreich ist 2003 deutlich von 127 auf 145 gestiegen. Grund dafür war jedoch vor allem der ungebrochene Trend zu Gasthaus- und Hausbrauereien - mittlerweile 83. Davon abgesehen zählt der Verband 54 Unternehmen, die 2003 in Österreich 62 (2002: 64) Braustandorte betrieben. Die Marktstruktur sei mit einem international abgesicherten Marktführer, einigen überregionalen und vielen lokalen Brauereien gut. Andere Länder wie etwa Deutschland seien erst dabei, solche Strukturen aufzubauen, sagte der Brauereiverbands-Obmann.

Import aus dem Osten fallen nicht ins Gewicht
Angst habe die österreichische Brauwirtschaft vor einer Zunahme der Kofferraumimporte nicht, so Sulzberger. Es sei aber damit zu rechnen, dass die Österreicher schon aus Neugierde "die eine oder andere Kiste" importieren, in erster Linie aus Tschechien, weil tschechisches Bier einen besonderen Ruf habe. Bis dato spielten vor allem Kofferraumimporte aus Deutschland eine Rolle, weil Bier wegen der niedrigeren Steuer billiger ist, als in Österreich. Genaue Zahlen fehlen, laut einer Umfrage vor zwei Jahren werden die Privatimporte auf rund 300.000 hl geschätzt.

Brauereien leiden unter Lkw-Maut
Die seit Jänner geltende Lkw-Maut verursacht der Brauereiwirtschaft Zusatzkosten von 3,5 bis 4 Mio. Euro, schätzt Sulzberger. "Ein Teil wird irgendwann sicher beim Konsumenten landen müssen", betonte er. Die erhöhten Rohstoffkosten der jüngeren Vergangenheit, die die Brauereien zuletzt zu Preiserhöhungen gegenüber dem Handel gezwungen hätten, seien von diesen nicht an die Konsumenten weitergegeben worden. Durch den enormen Wettbewerb sei der Preis im Handel seit vier Jahren mehr oder weniger gleich, nicht so in der Gastronomie.

Der anhaltende Trend zu Dosenbier könnte nach Ansicht des Brauereiverbandes durch Road-Pricing noch angeheizt werden. Zwar sei Österreich mit einem Mehrweganteil von 81 Prozent - inklusive Großgebinde wie Fässer und Tank - im internationalen Vergleich nach wie vor Spitzenreiter, allerdings mit rückläufiger Tendenz. Seit 1999 stieg der Anteil der Dosen von 19,5 auf 26,1 Prozent, während der Anteil der 0,5-Liter-Flaschen von 76,4 auf 69 Prozent sank.

Minimale Senkung der Biersteuer
Die für 2005 im Zuge der Steuerreform beschlossen "Abrundung" der Biersteuer von 2,08 auf 2,0 Euro je hl/Grad Plato sei "höchst notwendig", bringe aber nur Effekt in homöopathischen Dosen: Sie lindere zwar nicht den Schmerz, bringe aber Hoffnung auf Besserung. Damit sei Bier allerdings noch immer um das zweieinhalbfache teurer als in Deutschland, man werde aber weiter alles daran setzen, um eine Absenkung zu erreichen. Die Brauwirtschaft sei sich jedoch dem "Diktat der leeren Kassen" bewusst.(APA/Red)

24.3.2004 14:26