Mittwoch, 24. März 2004

Violette Trainer-Flut: Kronsteiner lehnte schon 125 Angebote ab

  • Löw gegen geteilte Führung der 11: Kronsteiner neuer Trainer & Manager!
  • IHRE MEINUNG: Hat die Austria richtig entschieden? PLUS: 20 Trainer ab 1990

Fast hätte es Herr Löw als Erster seit langem geschafft: Ein Jahr Austria Trainer! Aber am Mittwoch trennte sich der Tabellenführer der Bundesliga doch noch von Trainer Joachim Löw. Der bisherige Sportdirektor Günter Kronsteiner übernimmt - nach englischem Vorbild - die Funktion des Sportmanagers, bei dem die Letztverantwortung liegt. Ergebnis seiner ersten Bewährungsprobe im Cup: 2:0 für die Violetten gegen Hartberg. Langfristig soll aber wieder ein "Übungsleiter" her. Laut Kronsteiner bewerben sich um diese Stelle schon 125 Trainer!

Magna-Mäzen Frank Stronach hatte schon bisher eine stärkere Einbindung von Kronsteiner gefordert, dies war aber von Löw abgelehnt worden. Nun reagierte der Bundesliga-Präsident nach seiner Rückkehr aus Kanada auf die schwachen Leistungen der vergangenen Wochen. Im Frühjahr hatte die Austria in 540 Meisterschafts-Minuten erst drei Tore erzielt und zuletzt am Sonntag beim Liga-Schlusslicht FC Kärnten eine 0:2-Niederlage kassiert. Die Austria liegt zwar noch an der Tabellenspitze, aber nur noch punktegleich mit dem GAK.

"Bis auf weiteres übernehme ich nach englischem Vorbild die Position als Manager. Wir werden sicher keine Schnellschüsse tätigen, die sich als Bumerang erweisen. Die 125 Trainer, die sich bisher über Manager, persönlich oder Freunde angeboten haben, sind nicht in der Auswahl", meinte Kronsteiner in einer ersten Reaktion. Das bisherige Betreuerteam mit Co-Trainer Hans Dihanich und Tormanntrainer Franz Gruber wird bleiben, Kronsteiner soll aber in Zukunft bei seiner Tätigkeit von einem neuen Mann "für die tägliche Trainingsarbeit" unterstützt werden.

Dieser muss laut Austria drei Kriterien erfüllen: "1.) Er muss bereit sein, die klare Kompetenzaufteilung zu akzeptieren. 2.) Er muss auf dem Markt frei sein, darf nirgendwo einen gültigen Vertrag besitzen. 3.) Er muss besondere Fähigkeiten und Erfahrungen im taktischen Bereich haben, um die offensichtlichen Mängel dort rasch beheben zu können. Austria Memphis Magna verfügt über exquisite Einzelspieler, allerdings konnten viele ihr Potenzial auf Grund mangelnder Ordnung nicht mehr abrufen."

Joachim Löw, der im Juni 2003 als Nachfolger von Christoph Daum einen Zweijahresvertrag unterzeichnet hatte, war nicht bereit, eine Einmischung von Kronsteiner in Team-Belange zu akzeptieren. Stronach wollte laut Kronsteiner, dass Löw weitermacht, aber der Sportdirektor seine Verantwortung aktiver wahrnimmt. Eine gemeinsame Führung der Mannschaft kam für Löw jedoch nicht in Frage, der Deutsche beharrte nach wie vor auf die alleinige Entscheidungskompetenz.

Bei der Vorstellung von Ex-FC Tirol-Coach Löw hatte Stronach diesen noch als erklärten Wunschtrainer präsentiert: "Ich habe ihn schon im März 2001 als Nachfolger von Heinz Hochhauser im Auge und kontaktiert gehabt. Für mich stellte sich damals die Frage, ihn oder Arie Haan. Leider habe ich mich nicht schon damals für Löw entschieden."

Mit Löw sollten auch Konstanz, Ruhe und Harmonie in Violett einkehren, doch das frühe Scheitern in Champions League-Qualifikation (gegen Olympique Marseille) und UEFA-Cup (Borussia Dortmund) hatte zu ersten Zweifeln geführt. Nun sah man auch die Titelverteidigung gefährdet, was folgte war die "Beförderung" von Kronsteiner zum 20. Austria-Trainer seit 1990.
(red/apa)

24.3.2004 13:13