Samstag, 27. März 2004

Nach Taiwan-Wahl: Präsident stimmt Neuauszählung zu

  • Widersacher muss aber Ergebnis, egal wie es ausgehe, anerkennen
  • PLUS: Die Bilder des Attentats auf Präsident Chen!

Der Präsident von Taiwan, Chen Shui-bian, hat nach den andauernden Protesten gegen das knappe Ergebnis seiner Wiederwahl am Samstag einer Neuauszählung der Stimmen zugestimmt. Er machte aber zur Bedingung, dass sein politischer Widersacher Lien Chan das Ergebnis, egal wie es ausgehe, anerkennen müsse.

Chen erklärte sich auch mit einer unabhängigen Untersuchung über das Attentat einverstanden, bei dem er unmittelbar vor der Wahl leicht verletzt worden war. Zuvor hatten am Samstag in der Haupstadt Taipeh rund eine halbe Million Menschen gegen das Wahlergebnis demonstriert.

Die oppositionelle Kuomintang-Partei (KMT), die zu der Kundgebung aufgerufen hatte, sprach von 500.000 Teilnehmern; Sicherheitskräfte schätzten ihre Zahl auf 340.000. Die Demonstranten forderten seinen Rücktritt, eine neue Auszählung der am 20. März abgegebenen Stimmen und eine genauere Untersuchung des Attentats auf Chen am Tag vor der Wahl. Oppositionsführer Lien Chan bekräftigte, er werde den knappen Wahlsieg seines Konkurrenten nicht anerkennen.

Der unterlegene konservative Herausforderer Lien hatte bereits kurz nach der Wahl von Wahlmanipulationen gesprochen und angedeutet, das Attentat könne gar inszeniert worden sein, um dem dabei leicht verletzten Präsidenten zu Sympathiestimmen zu verhelfen. Die Wahlkommission hatte Chen, der einen Vorsprung von nur 30.000 Stimmen hatte, am Vortag offiziell zum Wahlsieger ernannt.

Wut über das angeblich inszenierte Attentat beherrschte die Demonstranten vor dem Präsidentenpalast im Stadtzentrum von Taipeh. "Ich nehme eine Kugel und bin Präsident für vier Jahre", hieß es auf Plakaten. Oder: "Bester Schauspieler 2004: Chen Shui-bian".

(apa)

27.3.2004 17:58