Mediziner schlagen Alarm: Immer mehr Kinder schlucken Antidepressiva
- Präparate führen bei Heranwachsenden zu erhöhter Suizidgefahr
Die rapide zunehmende Verordnung von Antidepressiva für Kinder und Jugendliche alarmiert Mediziner. Beunruhigend ist vor allem der steigende Anteil von so genannten Serotonin-Wiederaufnahme-Hemmern (SSRI). Doch gerade solche Präparate sollen bei Heranwachsenden mit einer erhöhten Suizidgefahr verbunden sein.
In Italien etwa ist die Zahl der SSRI-Verschreibungen zwischen den Jahren 2000 und 2002 um das 4,5fache gestiegen, wie Forscher aus Mailand und Bologna berichten. 2002 wurden in Italien 1.600 Minderjährigen Antidepressiva verordnet. Die meisten Rezepte wurden für Jugendliche zwischen 14 und 17 Jahren und hier vor allem für Mädchen ausgestellt.
In den USA und den Niederlanden werden die Präparate nach einem Bericht des British Medical Journal noch weit häufiger eingesetzt. In den USA wurden 2002 fast elf Millionen Rezepte für SSRI und andere neue Antidepressiva zur Behandlung Heranwachsender geschrieben.
Verschiedene Studien weisen auf ein erhöhtes Suizidrisiko bei Kindern und Erwachsenen während einer Therapie mit SSRI hin. Eine britische Studie ergab, dass sogar gesunde Erwachsene nach Behandlung mit solchen Präparaten Suizidgedanken entwickelten. Bis zur Klärung der Vorwürfe haben die US-Behörden Ärzten dazu geraten, beim Verschreiben der Medikamente für Jugendliche größte Vorsicht walten zu lassen.
(apa)
