Mittwoch, 24. März 2004

Wieder Anschlagsdrohung: Gegen Frankreichs Botschaft in Dschibuti

  • Möglicher Zusammenhang mit abgesagtem Rau-Besuch unklar

Radikale Islamisten haben der französischen Botschaft in Dschibuti mit Anschlägen gedroht. Wie ein französischer Diplomat in dem afrikanischen Land am Mittwoch der Nachrichtenagentur AFP sagte, drohte eine Gruppe mit dem Namen des Tschetschenen-Führers Mowsar Barajew mit Anschlägen auf französische Einrichtungen.

Ob ein Zusammenhang zwischen dem auch bei anderen Pariser Auslandsvertretungen eingegangenen Drohbrief und dem abgesagten Dschibuti-Besuch des deutschen Bundespräsidenten Johannes Rau bestand, war zunächst unklar. Das in Paris aufgegebene Schreiben traf demnach mit der normalen Post in Dschibuti ein.

Nach Angaben des Diplomaten, der seinen Namen nicht veröffentlicht sehen wollte, leiteten die französischen Behörden in Dschibuti Sicherheitsmaßnahmen ein. Wie ein AFP-Korrespondent beobachtete, wurden die französischen Schulen verstärkt bewacht. Eltern, die ihre Kinder von der Schule abholen wollten, mussten ihre Autos weitab parken. Auch die französischen Firmen in Dschibuti wurden aufgefordert, ihre Sicherheitsvorkehrungen zu verstärken.

Angaben der Pariser Ermittlungsbehörden zufolge ähnelten die Drohbriefe einem vergangene Woche an Premierminister Jean-Pierre Raffarin gerichteten Schreiben, das mit "Mosvar Barayev commando" unterzeichnet worden war. Darin war die Pariser Regierung aufgefordert worden, das kommende Kopftuch-Verbot an Frankreichs staatlichen Schulen zu stoppen.

Nach Angaben von Innenminister Nicolas Sarkozy trug die Drohung nicht die typische Handschrift islamistischer Schreiben. Barajew war Anführer des tschetschenischen Rebellenkommados, das im Oktober 2002 rund tausend Menschen in einem Moskauer Musicaltheater als Geiseln genommen hatte. Er wurde bei der Befreiung getötet.
(apa, red)

24.3.2004 16:23