Mittwoch, 24. März 2004

Rache für Scheich Yassin: Hamas will Israels Premier Sharon töten!

  • "Vorrangiges Tötungsziel": Israel hat neuen Hamas-Chef Rantisi im Visier
  • Auch Al-Aksa-Brigaden sehen "keine Rote Linie mehr"

"Der israelische Regierungschef Sharon ist Ziel des palästinensischen Widerstandes und der El-Kassam-Brigaden geworden, um die Tötung von Scheich Ahmed Yassin zu vergelten", erklärte der Leiter des politischen Büros der Hamas, Khaled Mashal, am Mittwoch auf einer Hamas-Internetseite.

Nach der gezielten Tötung des Hamas-Gründers Yassin am Montag durch die israelische Luftwaffe führt Mashal die Organisation zusammen mit Abdel Asis Rantisi übergangsweise. Nach 40 Tagen soll ein Rat über die Yassin-Nachfolge entscheiden.

Rantisi gilt als Kommandeur im Gazastreifen als starker Mann der Organisation. Mashal lebt als politischer Sprecher in der syrischen Hauptstadt Damaskus. Der israelische Geheimdienst hatte im September 1997 versucht, Mashal in Jordanien umzubringen. Das Attentat scheiterte aber.

Ein Hamas-Vertreter sagte indes, dass die radikale Palästinenserorganisation nicht die Absicht habe, nach dem gezielten Mord an Yassin Anschläge auf US-Ziele zu verüben.

Rantisi zählt laut einem Rundfunkbericht zu den vorrangigen Tötungszielen der israelischen Regierung. Wie der israelische Rundfunk am Mittwoch unter Berufung auf Kreise um Verteidigungsminister Mofaz berichtete, wurden die radikalislamische Organisation Hamas und ihr neuer Führer bei Sicherheitsberatungen als "vorrangige strategische Feinde" eingestuft.

Al-Aksa-Brigaden stimmen Hamas zu
Nach der Hamas-Bewegung haben auch die palästinensischen Al-Aksa-Brigaden angekündigt, bei ihren Anschlägen künftig auch ranghohe israelische Politiker ins Visier zu nehmen. "Nach der Ermordung von (Hamas-Chef) Yassin gibt es keine rote Linie mehr", sagte Abu Kusai, ein Kommandeur der Brigaden, am Mittwoch der Nachrichtenagentur Reuters. Am Montag hatten israelische Soldaten von Kampfhubschraubern aus den Hamas-Chef Ahmed Yassin mit einer Rakete erschossen.

"Die Zionisten haben niemals Unterschiede gemacht zwischen führenden palästinensischen Politikern, Kämpfern, Alten, Frauen und Kindern", sagte er, "deswegen sind jetzt alle Zionisten im Visier, ihre Führer und Zivilisten gleichermaßen." An alle Zellen der Brigaden sei der Befehl gegangen, "überall auf das hässliche Verbrechen (die Tötung Yassins) zu reagieren, sagte Abu Kusai. Die Anweisung laute: "Wo immer ihr einen Zionisten findet, tötet ihn ohne Zögern!"

Die Al-Aksa-Brigaden sind ein radikaler Ableger der Fatah-Bewegung von Palästinenser-Präsident Yassir Arafat, die offiziell Gewaltakte in Israel ablehnt und sich für eine Verhandlungslösung des Konflikts ausspricht. Arafat selbst wandte sich am Mittwoch gegen Anschläge auf Zivilisten. "Ich bin gegen jeden Angriff auf Zivilisten, auf israelische Zivilisten und palästinensische Zivilisten."
(apa, red)

24.3.2004 13:26