Mittwoch, 24. März 2004

Nach Yassins Tötung: Rantisi neuer Anführer der Hamas

  • Kampfansage: "Israelis werden keine Sicherheit mehr kennen"
  • Gelernter Kinderarzt gilt als ultramilitantes Hamas-Mitglied

Einen Tag nach der gezielten Tötung von Hamas-Gründer Yassin ist Abdelaziz el Rantisi zum obersten Führer der radikalislamischen Palästinenserorganisation ernannt worden. Rantisi verband seine Wahl mit einer Kampfansage an Israel: Die Israelis würden "keine Sicherheit mehr kennen", drohte der 56-Jährige.

Trotz der weltweiten Kritik an dem tödlichen Angriff auf Yassin will die israelische Regierung an der gezielten Tötung radikaler Palästinenser festhalten. Aus Furcht vor Anschlägen galt für die Sicherheitskräfte in ganz Israel die höchste Alarmstufe.

Rantisi sei vor Yassins Tod zu dessen Stellvertreter bestimmt worden, er trete daher nun seine Nachfolge an, sagte ein führendes Hamas-Mitglied in Gaza. Mit dem gelernten Kinderarzt wählte die Hamas einen ihrer militantesten Vertreter an die Spitze der Organisation.

Der 56-Jährige wurde bisher als politischer Chef und Sprecher der radikalen Gruppierung angesehen. Er soll für die meisten palästinensischen Selbstmordanschläge verantwortlich sein. Im vergangenen Juni entkam Rantisi nur knapp einem gezielten Luftangriff der israelischen Luftwaffe; vom Krankenbett aus gab sich der Hamas-Mitbegründer kompromisslos wie immer: "Kein Jude wird in Palästina bleiben", sagte er.

Aus Hamas Kreisen verlautete nach Angaben der Nachrichtenagentur Reuters, Rantisi sei lediglich die Verantwortung für den Gaza-Streifen, nicht aber für das Westjordanland übertragen worden. Dagegen soll der bisherige Chef des Politbüros Khaled Mechaal die militante Palästinenser-Gruppe führen, sagte das führende Hamas-Mitglied Saed Seam in Gaza-Stadt. Mechaal lebt im arabischen Raum im Exil. Er hatte 1997 einen israelischen Angriff in Jordanien überlebt.

(apa)

24.3.2004 07:57