Trotz internationaler Kritik: Israel will an "Liquidierungen" festhalten
- Ziel: Ganze Hamas-Führung soll sterben - Auch Arafat ist in Gefahr!
- PLUS: Hintergrund-Infos & Reaktionen zur Liquidierung Yassins
·Yassin-Tötung
Gewalt-Eskalation & neue Todesopfer
·Yassin getötet
Palästinenser schwören Rache
·Reaktionen!
Israels Sharon: "Er war ein Erzmörder"
·Erste Rache?
Araber sticht in Bus um sich
·El Kaida
Angeblicher Rache- Aufruf aufgetaucht
·Nahostexperte
Yassins Tod hat "Linie überschritten"
·Israel-Minister
"Yassin war wie
Bin Laden"
Nach der gezielten Tötung des geistlichen Hamas-Führers Scheich Ahmed Yassin hat der israelische Verteidigungsminister Mofaz dessen radikalislamische Organisation zu Israels "strategischem Feind" erklärt. Ein Ministeriumssprecher teilte am Dienstag mit, das habe Mofaz am Montag bei einem Treffen von Armee- und Sicherheitsvertretern in Tel Aviv gesagt.
Nach dem Tod von Scheich Ahmed Yassin soll der bisherige Chef des Politbüros Khaled Mechaal die militante Palästinenser-Gruppe Hamas führen. Mechaal solle Yassin als oberster Anführer der Hamas nachfolgen, verlautete am Dienstag aus Hamas- Kreisen. Im Gaza-Streifen, der Machtbasis der Organisation, wird der bisherige Hamas-Sprecher Rantisi die Gruppe leiten, sagte das führende Hamas-Mitglied.
Offen blieb, ob Mechaal die Führung vorübergehend bis zu einer Wahl oder dauerhaft übernehmen soll. Mechaal lebt im arabischen Raum im Exil. Rantisi sei die Verantwortung für den Gaza-Streifen, nicht aber für das Westjordanland übertragen worden, hieß es.
Mechaal hatte 1997 einen israelischen Angriff in Jordanien überlebt. Israelische Sicheheitskreise sind davon überzeugt, dass sich Mechaal hauptsächlich in Syrien aufhält.
Rantisi hatte zusammen mit Yassin die Hamas gegründet und ist eines der führenden Mitglieder der Gruppe. Er war im Juni bei einem israelischen Raketenangriff auf sein Auto verletzt worden.
Israel in der Offensive
Der Minister für innere Sicherheit, Tsahi Hanegbi, sagte im Armeehörfunk, im Kampf gegen die radikale islamische Palästinenser-Organisation sei Israel von der Defensive zur Offensive übergegangen. Alle Hamas-Führer seien "legitime Ziele", und ihre Tage seien gezählt. Bei der Sitzung im Verteidigungsministerium, an der er teilgenommen habe, sei beschlossen worden, die "gezielten Tötungen" fortzusetzen.
Auch Arafat im Visier
Der israelische Generalstabschef Moshe Yaalon hat am Dienstag angedeutet, auch Palästinenser-Präsident Yasser Arafat könnte Ziel einer Liquidierungs-Aktion werden. Auf Fragen von Journalisten, ob Arafat oder der Chef der libanesischen Hisbollah-Miliz, Scheich Hassan Nasrallah, ebenfalls mit einem solchen Schicksal rechnen müssten, sagte Yaalon: "Ich glaube, dass ihre Reaktion gestern gezeigt hat, dass sie wissen, was auf sie zukommt." Langfristig sei dies hoffentlich ein Zeichen an alle Gegner Israels.
Von palästinensischer Seite war die Befürchtung geäußert werden, dass nach der Ermordung von Scheich Ahmed Yassin, dem Gründer der radikalen Palästinenserorganisation Hamas, auch Arafat ins Fadenkreuz der israelischen Kampfhubschrauber geraten könnte. Der Palästinenserpräsident ist seit Dezember 2001 in seinem Hauptquartier in Ramallah isoliert.
Nach anfänglichem Zögern kritisierten auch die USA den Angriff vom Montag. "Wir sind sehr besorgt angesichts des Vorfalls in Gaza", sagte der Sprecher des Weißen Hauses, Scott McClellan, der Nachrichtenagentur AP. Während einer regulären Pressekonferenz hatte er zuvor die israelische Regierung nicht kritisiert. Israelische Hubschrauber hatten Montag Früh drei Raketen auf Scheich Yassin abgefeuert, als der 67-jährige Gründer der radikalislamischen Palästinenserorganisation im Rollstuhl sitzend eine Moschee in Gaza verließ.
In Israel war die Atmosphäre unterdessen gespannt. Auf den Straßen von Jerusalem waren am Montag nur wenige Menschen unterwegs, die Busse blieben am Dienstag leer. In der Umgebung der großen Städte wurden Kontrollpunkte errichtet, Polizisten patrouillierten auf den Straßen. Die Grenzen zum Gazastreifen und zum Westjordanland blieben geschlossen. Auch die Sicherheitsvorkehrungen für Politiker und ranghohe Mitglieder der Streitkräfte wurden verschärft.
(apa)
