Konfliktforscher Cedermann zur Liquidierung Yassins: Provoziert Anschläge in Europa
- Experte warnt vor Eskalation der Gewalt in der westlichen Welt
- Israel hat "Linie überschritten"
Die so genannte "Gezielte Tötung" des geistlichen Führers der Palästinenser-Organisation Hamas werde zu einer Eskalation der Gewalt in Europa und der westlichen Welt führen. Das ist die Einschätzung des Schweizer Konfliktforscher Lars-Erik Cederman.
Der "rücksichtslose Akt" der israelischen Regierung werde die Basis von terroristischen Organisationen stärken und deren Rekrutierung erleichtern, sagte Lars-Erik Cederman, Konfliktforscher der Eidg. Technischen Hochschule (ETH) Zürich am Montag auf Anfrage der Nachrichtenagentur sda.
Linie überschritten
Mögliche Racheakte seien weder in den USA noch in Europa ausgeschlossen, denn mit der Tötung von Scheich Ahmed Yassin habe Israel eine "Linie" überschritten: Die Prominenz des Opfers sei eine "beispiellose Provokation" für die arabische Welt.
Neue Terroranschläge als Reaktion auf die gezielte Tötung des Hamas Chefs könnten von der israelischen Regierung unter Ariel Sharon nun leicht als Vorwand genutzt werden, sogar den palästinensischen Präsidenten Yasser Arafat ins Fadenkreuz der israelischen Armee zu rücken.
Einem politischen Problem sei mit militärischen Mitteln nicht beizukommen, ist das Fazit von Cederman. Als Vermittler im Friedensprozess hätten sich die USA im Nahen-Osten jedoch schon lange verabschiedet. Die zurückhaltende Reaktion der Regierung von US-Präsident George W. Bush auf die Tötung von Scheich Yassins "spricht Bände".
(apa, red)
