Montag, 22. März 2004

Mord an Anna Lindh: Täter zu lebenslanger Haft verurteilt!

  • Mijailo Mijailovic erstach die schwedische Außenministerin Lindh am 10. September 2003

Lebenslange Haft für den Lindh-Mörder! Ihre brutale Ermordung am 10. September war ein Schock für ganz Schweden. Am 23. März 2004 ist das Urteil gegen den Mann gesprochen werden, der die schwedische Außenministerin Anna Lindh erstochen hat: Das Stockholmer Amtsgericht verurteilte den 25-jährigen Angeklagten Mijailo Mijailovic zu lebenslanger Haft.

Mijailovic hatte die Tat bereits im Jänner gestanden, berief sich aber im Prozess auf angebliche psychischen Störungen. Ein Gutachten, das vom Gericht in Auftrag gegeben war, stellte aber keine schwerwiegenden psychischen Schäden fest und erklärte ihn für voll schuldfähig. Die Staatsanwaltschaft hatte lebenslange Haft für den Sohn serbischer Einwanderer gefordert.

In einer ersten Reaktion gegenüber dem schwedischen Radio sagte Mijailovics Anwalt Peter Althin, er sei von dem Urteil "nicht besonders überrascht". Staatsanwältin Agneta Blidberg zeigte sich von dem Urteil "erleichtert".

Mörder: "Innere Stimme hat es mir befohlen"
Mijailovic beharrte im Prozess darauf, er habe an jenem 10. September im vornehmen Kaufhaus NK wie unter Zwang gehandelt. Eine "innere Stimme" habe ihm befohlen, auf die 46-jährige Außenministerin einzustechen. "Ich glaube, es war Jesus, der mich erwählt hat." Nach der Schilderung von Lindhs Freundin, die die Ministerin bei ihrem Einkaufsbummel begleitet hatte, stach Mijailovic besonders brutal zu. "Das war schon fast pervers." Lindh starb einen Tag nach dem Angriff an ihren schweren Verletzungen.

Zwei Wochen nach der Tat nahm die Polizei Mijailovic fest, den die Kaufhauskameras gefilmt hatten. Ein politisches Motiv weist der 25-Jährige von sich. Schwedische Medien berichteten jedoch von Bekannten des Angeklagten, die vom "regelrechten Hass" Mijailovics auf die Außenministerin gesprochen hatten, weil sie die NATO-Luftangriffe auf Serbien 1999 gutgeheißen hatte.

Täter hatte schwierige Kindheit
Der Angeklagte verwies im Prozess stets auf seine Biografie, um Erklärungen für die in ihrer Brutalität schwer begreifliche Tat zu liefern. Eine schwierige Kindheit, Aggressionen und Einsamkeit prägten demnach sein Leben. In Schweden geboren, schickte ihn die Familie als Sechsjährigen zu seinen Großeltern in ein serbisches Dorf nahe Belgrad. Mit 13 musste er jedoch wieder zurück. Die schwedische Sprache hatte er da fast verlernt und mit der Integration in die Gesellschaft tat er sich schwer.

Mit Gewalt und Drogenkonsum suchte der Jugendliche seinen Frust zu kompensieren. Als 17-Jähriger griff er seinen Vater, selbst ein zu Gewalt neigender Alkoholiker, mit einem Küchenmesser an. Die Verurteilung war eine von vielen. Die schwedische Justiz führt ein langes Strafregister gegen Mijailovic, darunter illegaler Waffenbesitz und Todesdrohungen. Messer faszinierten den jungen Mann offenbar seit seiner Kindheit im ehemaligen Jugoslawien. Seine Schulhefte sollen voller Messer-Zeichnungen gewesen sein, berichteten ehemalige Mitschüler.

Keine Reue
Mijailovic soll es schwer gefallen sein, Freundschaften aufzubauen. Er litt offenbar darunter, bei Frauen keinen Erfolg zu haben. Seit 1999 habe er keine Verabredung mehr gehabt, sagte er dem Taxifahrer Norretin Kanat, der als Zeuge im Prozess ausgesagt hatte. Mijailovic hatte nach der Tat Kanats Taxi bestiegen und sich nach Hause fahren lassen. Reue oder Mitgefühl hat Mijailovic nie geäußert. Die Meldung vom Tod der beliebtesten Politikerin Schwedens habe ihn allerdings "sehr geplagt", bekannte er.

(apa, red)

22.3.2004 16:38