Montag, 22. März 2004

Israel tötet Scheich Yassin! Racheschwüre und tiefe Trauer bei Palästinensern

  • Sharon verteidigt Liquidierung des Hamas-Gründers
  • REAKTIONEN von Sharon und aus aller Welt: Vatikan, EU, UNO verurteilen Israel!

Die Welt zittert vor neuem Terror: Im Nahen Osten droht nach der Liquidierung von Hamas-Gründer Scheich Yassin ein Blutbad. Nach dem Raketenangriff der Israelis schworen Araber blutige Rache: "Tod den Söhnen Zions!" Ministerpräsident Sharon bezeichnete die Liquidierung Yassins als "Selbstverteidigung Israels".

"Es ist das natürliche Recht des jüdischen Volkes, jene zu verfolgen, die uns zerstören wollen", sagte Sharon im Parlament in Jerusalem. Er bezeichnete Yassin als "Erzmörder", dessen Hauptziel die Tötung von Juden und die Zerstörung des Staates Israel gewesen sei.

Zudem kündigte er ein Festhalten am "Krieg gegen den Terror" an: "Der Kampf gegen den Terror ist nicht beendet. Er wird jeden Tag und überall weitergehen."

200.000 Palästinenser bei Trauerprozession
Bei der Trauerprozession in der Stadt Gaza geleiteten Hunderttausende von Palästinensern die sterblichen Überreste Yassins und dreier seiner Leibwächter. Die Menge trug die in grüne Hamas-Flaggen gehüllten Särge durch die Straßen der Stadt. Über der Stadt stieg dichter schwarzer Rauch auf, weil wütende Palästinenser als Zeichen des Protestes Autoreifen verbrannten.

"Krieg den Söhnen Zions"
Auch die mit der Hamas rivalisierenden Al-Aksa-Märtyrer-Brigaden kündigten Rache an. "Krieg, Krieg, Krieg den Söhnen Zions. Auge um Auge", hieß es in einer Erklärung der Al Aksa, die wie die Hamas zahlreiche Anschläge in Israel verübt hat. Es werde innerhalb von Stunden eine Reaktion geben. Die Hamas-Führung kündigte dem israelischen Regierungschef Ariel Sharon Vergeltung an: "Sharon hat die Pforten der Hölle geöffnet. Nichts wird uns daran hindern, ihm den Kopf abzuschlagen". In der Stadt Gaza strömten zehntausende Palästinenser bei Bekanntwerden der Nachricht auf die Straßen und riefen nach Rache.

Insgesamt neun Tote
Nach Augenzeugenberichten hatten Kampfhubschrauber drei Raketen auf Yassin und seine beiden Leibwächter gefeuert, als sie im Morgengrauen eine Moschee verließen. Alle drei seien auf der Stelle tot gewesen. Bei dem Angriff wurden insgesamt neun Menschen getötet und 17 weitere Menschen verwundet.

Bei späteren Unruhen nach dem Mord an Yassin starben weitere neun Palästinenser.

Wenige Stunden nach dem tödlichen Angriff auf Yassin beschossen offenbar militante Palästinenser den Grenzübergang Erez zwischen dem Gazastreifen und Israel. Am Montagmorgen war dort eine Explosion zu hören, Rauch stieg auf. Die Hamas erklärte, sie habe Raketen auf den Grenzposten abgefeuert. Von israelischer Seite lag zunächst keine Erklärung vor.

Racheschwur: "Werden Tod in jedes Haus bringen"
Die Hamas bestätigte den Tod Yassins und schwor Rache. "Wir werden den Tod in jedes Haus, jede Stadt, jede Straße in Israel bringen", war über Lautsprecher in ganz Gaza-Stadt zu hören. "Die Rache wird nicht gewöhnlich sein, sondern ein Erdbeben auslösen."

Drohung auch gegen USA
Auch den USA hat die Hamas Vergeltung angedroht. Israel habe den Angriff nicht ohne Zustimmung der US-Regierung ausgeführt. "Die Zionisten haben das nicht ohne grünes Licht der terroristischen amerikanischen Regierung getan und die muss die Verantwortung für dieses Verbrechen übernehmen", hieß es in einer Erklärung der militanten palästinensischen Organisation.
(apa/red)

22.3.2004 07:05