Sonntag, 28. März 2004

Knoll übt Kritik: "Die SPÖ hat ein Kommunikationsproblem"

  • "Es macht Politiker glaubwürdiger, wenn sie zu Fehlern stehen"
  • Diskussion um Gusenbauer-Ablöse ist "wahnsinnig schmerzhaft"

"Die SPÖ hat ein Kommunikationsproblem. Da braucht man nicht herumreden." Dieses Eingeständnis machte die Leiterin der SPÖ-Zukunftswerkstätte und Sprecherin des Pensions-Volksbegehrens, Gertraud Knoll, im Gespräch mit der APA. Worin dieses Problem genau liege und wie man es beheben könnte, wollte Knoll nicht öffentlich sagen. "Ich will keine klugen Tipps über die Medien geben", sie werde darüber intern mit SPÖ-Vorsitzendem Alfred Gusenbauer sprechen, kündigte Knoll an.

Im Zusammenhang mit der Vorgangsweise Gusenbauers rund um die blau-rote Zusammenarbeit in Kärnten sagte Knoll: "Es macht Politiker glaubwürdiger und sympathischer, wenn sie zu Fehlern stehen. Auch Politiker sind Menschen." Als Grund für die Diskussionen um Gusenbauers angebliche Zustimmung zur Zusammenarbeit von SPÖ und FPÖ in Kärnten vermutet Knoll: "Offenbar sind seine Signale nach Kärnten falsch verstanden worden." Aber der Kurs der Bundes-SPÖ, dass es auf dieser Ebene keine Zusammenarbeit mit der FPÖ geben werde, sei "unverrückbar".

Die Gerüchte um eine mögliche Ablöse Gusenbauers sind für Knoll "wahnsinnig schmerzhaft". Die SPÖ gewinne alle Wahlen und ausgerechnet jetzt entstehe eine solche innerparteiliche Konfliktsituation. Man solle doch "die Kirche im Dorf lassen" und darüber diskutieren, wie die SPÖ ihren Erfolgskurs fortsetzen könne und nicht darüber, wie man die ÖVP mit ihren früheren Obmann-Debatten kopieren könne, appellierte Knoll an die eigenen Parteifreunde.

Die Zusammenarbeit der SPÖ mit der FPÖ in Kärnten hält Knoll für einen "verhängnisvollen Fehler". Die SPÖ habe hier "nicht mit dem Schmiedl, sondern mit dem Schmied höchstpersönlich" ein Arbeitsübereinkommen geschlossen, spielte Knoll darauf an, dass Jörg Haider und nicht irgend jemand in der FPÖ der Vertragspartner ist. Das einzige Positive an dieser "Schieflage der SPÖ" ist für Knoll, dass es nun wieder eine öffentliche Diskussion darüber gebe, welche Argumente es gebe, "sich von Jörg Haider abzugrenzen". Das sei "eine Frage der Selbstachtung". "Es gibt keine andere FPÖ als die von Jörg Haider", betonte Knoll. (apa/red)

28.3.2004 08:35