Samstag, 27. März 2004

Kardinal König beigesetzt: Letzte Ruhe in der Bischofsgruft!

  • Tausende nahmen Abschied von der "moralischen Instanz"
  • PLUS: Die Bilder von der Trauerfeier!

Österreich nahm am Samstag Abschied vom verstorbenen Wiener Alterzbischof Kardinal Franz König. Im Stephansdom haben sich rund 3.000 Trauergäste zu einem feierlichen Requiem eingefunden. Weitere 3.000 Menschen verfolgten den Gottesdienst laut Polizeiangaben trotz frostiger Temperaturen vor dem Dom auf dem Stephansplatz. Kardinal Joseph Ratzinger würdigte im Namen von Papst Johannes Paul II die Verdienste Königs. "Die moralische Autorität Österreichs", wie er genannt wurde, fand seine letzte Ruhestätte in der Bischofsgruft des Doms.

Am Vormittag haben sich noch tausende Menschen direkt am offenen Sarg vom einstigen Wiener Oberhirten verabschiedet. Insgesamt sollen seit gestern zehntausende Menschen in die Vierung des Doms gekommen sein. Um 11.00 Uhr wurde der Kupfersarg geschlossen. Schon eine Stunde zuvor haben sich die ersten Menschen vor dem noch verschlossenen Riesentor eingefunden. Sie harrten bei Kälte, Wind und leichtem Schneefall aus. Einen Platz im Dom gab es aber nur für rund 3.000 Menschen. Der Rest verfolgte die Messe auf einer Videoleinwand.

Predigt von Schönborn
Kardinal Christoph Schönborn ging in seiner Predigt auf die großen Leistungen - er sprach von drei "Brückenschlägen" - von König ein. "Das erste Erbe ist der Brückenschlag der Ökumene". Das zweite sei der Brückenschlag "zwischen den gesellschaftlichen Leistungen". Und schließlich wies er auf Königs Engagement bei der humanen Sterbebegleitung hin. Noch im 16. Jänner dieses Jahres habe er dem Präsidenten des Verfassungskonventes einen Brief geschrieben und gebeten, "Sterbehilfe, also Euthanasie" in Österreich künftig auch verfassungsrechtlich zu untersagen.

Auch Ratzinger würdigte Königs Engagement um eine Annäherung zwischen den christlichen Ostkirchen und der römisch-katholischen Kirche. Der Kardinal habe bereits zur Zeit des Eisernen Vorhanges "die Mauern im Glauben" überwinden können.

Österreich trauert, betet, dankt
Sichtlich gerührt zeigte sich Bundespräsident Thomas Klestil: "Österreich trauert. Österreich betet. Österreich dankt". Er verwies darauf, dass Kardinal König "die Gnade zuteil wurde, Zeuge eines ganzen Jahrhunderts gewesen zu sein - der dunklen und der hellen Stunden, der Tragödien und des Glücks unseres Volkes". Für ihn ist König der "Pontifex Austriacus".

Die internationale Anerkennung Königs zeigte sich auch in der Anwesenheit von zahlreichen katholischen und orthodoxen Bischöfen aus den Nachbarländern. Der griechisch-orthodoxe Erzbischof Metropolit Michael Staikos und der Wiener Judaist Jacob Allerhand rezitierten Gebete. Für die evangelische Kirche trug Bischof Herwig Sturm die zweite Lesung - aus dem Thessalonicher-Brief - vor.

Zahlreiche Trauergäste
An dem Requiem nahmen auch zahlreiche Vertreter des öffentlichen Lebens teil. Die beiden Nationalratspräsidenten Andreas Khol (V) und Heinz Fischer (S) waren ebenso wie der Großteil der Bundesregierung, mit Kanzler Wolfgang Schüssel (V) an der Spitze, anwesend. Unter den ausländischen Trauergästen befanden sich der ehemalige polnische Ministerpräsident Tadeusz Mazowiecki und der slowakische Parlamentspräsident Pavol Hrusovsky. Auch Alfred Gusenbauer für die SPÖ und Eva Glawischnig für die Grünen nahmen am Begräbnis teil.

Der letzte Weg der sterblichen Hülle des Kardinals führte über den vorderen Teil des Stephansplatzes, vorbei am Riesentor zum Adlertor. Während der Prozession läutete die Pummerin. Dann wurde der Sarg in die Bischofsgruft unter dem Dom gebracht, wo die Beisetzung stattfand. Bischofstracht und Insignien nahm König vollständig mit in sein Grab, lediglich der Bischofsring und das Bischofskreuz werden ausgetauscht und kommen ins Wiener Diözesanarchiv. (apa/red)

27.3.2004 12:04