Freitag, 26. März 2004

Kronprinz Abdullah in Wien: Delegation von 250 Mann

  • NEWS zum Staatsbesuch: Araber kommen mit vier Jets

Jamal Nasif versteht die Aufregung nicht: Als Erster Sekretär des saudi-arabischen Botschafters in Wien betrachtet er das, was in der Hofburg als zeremonieller Ausnahmezustand interpretiert wird, bestenfalls als Gruppenausflug mittlerer Kategorie: "Bei uns haben Staatsbesuche einen gewissen Rahmen. Jeder Minister hat eine eigene Delegation, da kommt eben einiges zusammen."

Im minutiösen Besuchsprotokoll der Präsidentschaftskanzlei nimmt sich das Understatement des arabischen Diplomaten doch um einiges opulenter aus: Zwischen 31. März und 2. April begrüßt der scheidende HBP Thomas Klestil den saudischen Kronprinzen Abdullah Bin Abdulaziz Al Saud, der mit 250-köpfiger Gefolgschaft in der Bundeshauptstadt erwartet wird. Anders gesagt: Wien befindet sich im Ausnahmezustand. Wie zuletzt anno 2001, als Russlands Staatsoberhaupt Putin über uns kam.

Ausnahmezustand
Der aktuelle Gast kündigt sich standesgemäß an: Abdullah, der seit Jahren anstelle seines nach einem Schlaganfall gelähmten Halbbruders Fahd die Staatsgeschäfte leitet, wird samt Entourage auf vier Jets verteilt (zwei Boeing 747, eine MD-11, eine Gulfstream).

Am Nachmittag des 31. 3. soll er, aus Tunesien kommend, auf dem Wiener Airport landen. Der Zoll bleibt den Scheichs erspart, die Flotte der Panzerkarossen darf direkt aufs Rollfeld. Und das Tempo bleibt zügig: Um 17.55 Uhr ist ein Gespräch mit dem Gastgeber anberaumt, gegen 19 Uhr bezieht der Kronprinz kurz die noble Bettstatt im Imperial, dem Vernehmen nach soll es die Fürstensuite (acht Meter Raumhöhe, mit Blattgold verzierte Decke) sein.

Zuwachs für Klestils Zoo?
Insgesamt sind rund 250 Zimmer blockiert, die Hälfte im Imperial, der Rest im Grand Hotel schräg vis-à-vis. Hans Magenschab, Sprecher der Präsidentschaftskanzlei, nimmt Klestil-Kritikern schon das Argument aus dem Mund: "Von uns werden aber nur fünfzehn bezahlt, auch für die zusätzlichen Wagenkolonnen müssen sie selbst aufkommen!"

Skeptiker allerdings erinnern sich einer älteren Geschichte: Schon in der Ära Waldheim kamen die Saudis in vergleichbarer Stärke. Auch ihnen zahlten sie offiziell nur zehn Zimmer - doch auf die teilten sie die Gesamtkosten auf, und die Republik blieb auf der gigantischen Summe sitzen.

Daran will der Gastgeber nicht einmal denken: Immerhin verbindet Klestils und Kronprinzens nicht nur enge Freundschaft, sondern auch die Liebe zur mehr oder minder stummen Kreatur. Magenschab: "Ein Besuch in der Hofreitschule ist geplant!" Nicht ohne Sorge blicke Klestil allerdings dem beliebten saudischen Gastgeschenk entgegen: Insidern zufolge soll nach Dromedaren und Gäulen nun Federvieh in der Gestalt eines Falken, Statussymbol im arabischen Raum, drohend über den Klestils kreisen. Magenschab: "Davon ist uns noch nichts bekannt!"

Do&Co kocht für Saudis
Einer hat seinen Vertrag schon in der Tasche: Nobel-Caterer Attila Dogudan wurde beauftragt, den Rückflug ins Morgenland kulinarisch zu umranken.

Zutaten für etwa 350 Mahlzeiten sollen am 2. April auf die vier Maschinen verteilt werden. Bei der Fertigung der Speisen - vor den Augen der Araber wird frisch gekocht - wird das bewährte Team des Airline-Caterers durch fünf Köche des Königshauses verstärkt.
(NEWS)

26.3.2004 18:54