Strategie-Wechsel: Bundesheer überlegt Ende der Landesverteidigung
- Militärstratege Karner plant "Paradigmenwechsel" - statt Defensive leichte Waffen für Auslands-Einsätze

Im Bundesheer werden konkrete Planungen für eine deutliche Reduzierung verschiedener Waffengattungen angestellt. Das bedeutet eine totale Änderung der bisherigen Strategie. Kernpunkt: Österreich wird womöglich bald vom Bundesheer nicht mehr verteidigt! Stattdessen konzentriert sich die Armee auf leichte Waffen und Auslands-Einsätze.
Aus einem vom Militärstrategen Gerald Karner verfassten Dienstzettel geht hervor, dass alle Strukturen, die zur Verteidigung Österreichs geschaffen wurden, "aufzulösen" seien. Aufgaben in Österreich seien künftig nur mehr "in Assistenz an zivile Behörden" wahrzunehmen.
"Nur" Beitrag für interne Überlegungen
Aus dem Verteidigungsministerium hieß es dazu, das Papier sei ein "Beitrag für interne Überlegungen" - aber nicht mehr.
Karner nennt das 2001 erstellte Einsatzkonzept laut dem Dienstzettel "überholt" und warnt vor "Fehlinvestitionen" in die Verteidigung Österreichs - in diesem Sinne habe auch die Bundesheer-Reformkommission grundsätzliche Einsparungspotenziale identifiziert. Karner hat schon bei einer Sitzung der Kommission am 26. Februar von einem "Paradigmenwechsel" gesprochen - und war dafür von anderen hohen Offizieren hart kritisiert worden.
In der Folge habe der Brigadier den Dienstzettel verfasst, wie der Standard berichtet. Österreich solle sich demnach militärisch nur noch im Ausland engagieren. Im Inland würde es dann nur noch Ausbildungsbetrieb und Assistenzleistungen bei Katastrophen geben.
Abbau bei Flak und Raketenjagdpanzern
Konkret würde das laut dem Papier u.a. einen Abbau von Fliegerabwehrkanonen und des Raketenjagdpanzers Jaguar bringen. Die Panzerhaubitzen M-109 sollten großteils "so bald wie möglich zum Verkauf angeboten werden, um einen attraktiven Preis zu erzielen" - verbleiben sollten nur einige Stück, die allenfalls auf Auslandseinsatz geschickt werden.
Nur noch 2 Leopard-Bataillone
Der Jagdpanzer Kürassier wiederum sollte nur noch als "Platzhalter" für künftige Aufklärungssysteme bei der Truppe verbleiben. Vom Kampfpanzer Leopard sollten nur zwei Bataillone für Ausbildung und allfällige Auslandseinsätze bleiben.
Keine ausgemachte Sache
Martin Brandstötter, Sprecher von Verteidigungsminister Güther Platter (ÖVP), sagte dazu, "man kann aus dem Dienstzettel nicht schließen, dass es so sein wird". Der Sprecher sagte auch, dass es sich keinesfalls um einen Vorgriff auf das Ergebnis der Bundesheer-Reformkommission handle.
(apa, red)
