Donnerstag, 25. März 2004

Nachhilfe: Hälfte der AHS-Schüler benötigt Unterstützung

  • 22 Prozent bezahlen für Lernhilfe, Kosten: 620 Euro/Jahr
  • Nur sechs Prozent erhalten Förderunterricht in der Schule

Die Hälfte der Schüler an den österreichischen AHS kommt nicht ohne Nachhilfe aus. Dies ergab eine vom Nachhilfeinstitut LernQuadrat gemeinsam mit den AHS-Elternverbänden durchgeführte Umfrage. Während knapp 50 Prozent der Jugendlichen überhaupt keine Nachhilfe brauchen, nehmen etwas mehr als ein Viertel daheim eine Lernhilfe von Eltern bzw. Geschwistern oder Förderunterricht in der Schule in Anspruch, 22 Prozent leisten sich bezahlte Nachhilfe.

Die "Hitliste" bei den "beliebtesten" Nachhilfefächern führt Mathematik (62 Prozent) vor Englisch (50 Prozent) und Deutsch (19 Prozent) an. Zu kurz kommt den Elternvertretern vor allem der Förderunterricht an den Schulen.

Durchgeführt wurde die Umfrage im Dezember 2003, befragt wurden 6.000 Eltern und Oberstufenschüler in sieben Bundesländern - keine Rückmeldungen gab es aus Salzburg und dem Burgenland. Überrascht zeigten sich die Elternvertreter über die verhältnismäßig geringe Inanspruchnahme von bezahlter Nachhilfe: "Wir hätten mit mehr gerechnet", betonte die Vorsitzende des Verbands der Elternvereine an den höheren und mittleren Schulen Wiens, Christine Krawarik. Im Langzeitvergleich mit einer ähnlichen Studie aus dem Jahr 1993 habe sich gezeigt, dass sich die Situation im Bereich der bezahlten Nachhilfe "zumindest nicht verschlechtert" habe. Ein Direktvergleich sei aber nicht möglich, da bei der Erhebung vor zehn Jahren auch die berufsbildenden Schulen beinhaltet waren.

Bei den Gründen für die Inanspruchnahme von Nachhilfe führt die mangelnde Vermittlung des Stoffs durch die Lehrer (36 Prozent) vor mangelndem Fleiß der Kinder (29 Prozent) und mangelndem Interesse oder Begabung (19 Prozent) sowie der zu hohen Stoffmenge im Lehrplan (18 Prozent) und den zu hohen Erwartungen des Lehrers (17 Prozent). Nur zwei Prozent der Befragten machten eine falsche Schulwahl verantwortlich.

Die durchschnittlichen Kosten für bezahlte Nachhilfe liegen laut Erhebung bei rund 620 Euro pro Jahr. Die meisten Familien (44 Prozent) geben für Nachhilfe zwischen 100 und 500 Euro jährlich aus, 24 Prozent zahlen weniger als 100 Euro und 22 Prozent zwischen 501 und 1.500 Euro. Immerhin sechs Prozent der Familien kommen auf 1.501 bis 3.000 Euro, zwei Prozent sogar auf mehr als 3.000 Euro Nachhilfekosten pro Jahr. Der "Gesamtkuchen" bei der Nachhilfe im AHS-Bereich liegt damit bei 17 Mio. Euro, für den gesamten Schulbereich rechnet Lernquadrat-Chef Konrad Zimmermann auf 50 Mio. Euro hoch. Dies wäre weniger als die Hälfte der bisher meist kolportierten Gesamtausgaben von 120 Mio. Euro.

(apa/red)

25.3.2004 13:58