Suchtgiftexperte: "Es gibt keine drogenfreie Schule"
- Studie belegt: Fast 40 % der Jugendlichen haben Haschisch zumindest probiert
- PLUS: Polizei stellt neue Todesdroge sicher!
"Auch wenn das Lehrer und Direktoren nicht immer wahrhaben wollen, es gibt keine drogenfreie Schule." Dies erklärte der Leiter des Instituts für Suchtprävention in Linz, Christoph Lagemann, am Mittwochabend bei einer Enquete des Kuratoriums Sicheres Österreich in Linz. Basis der Feststellung Lagemanns sind Zahlen aus einer neuen, bisher unveröffentlichten Drogenstudie in Oberösterreich. Demnach haben beispielsweise fast 40 Prozent der Jugendlichen Haschisch zumindest probiert.
Im Auftrag des Landes Oberösterreich führte das Institut für Suchtprävention gemeinsam mit dem Meinungsforschungsinstitut Market ein so genanntes "Drogen-Monitoring" durch. Dabei wurde einerseits ein repräsentativer Querschnitt von 1.000 Oberösterreicherinnen und Oberösterreichern über 15 Jahre und andererseits eine weitere Zahl von 400 jungen Leuten im Alter zwischen 15 und 24 Jahren befragt.
"Haschisch offensichtlich Freizeitdroge"
Dabei zeigte sich in beiden Befragungen in der Altersgruppe der 15- bis 24-Jährigen, dass zu einem erheblichen Teil die verschiedensten Drogen zumindest probiert wurden. 38 Prozent sagten, sie hätten bereits Haschisch versucht. Dazu Lagemann: "Haschisch wird von den jungen Leuten offensichtlich als Freizeitdroge angesehen und ist in diesem Sinn 'in'". Anders Heroin, das die 15- bis 24-Jährigen kaum konsumieren, "Heroin ist für die Jugendlichen so etwas wie eine 'Loser-Droge' und daher out", sagt Lagemann.
Zwölf Prozent gaben an, das "Schnüffeln" von Stoffen, die "high" machen, bereits probiert zu haben. "Eine besonders gefährliche Sache, weil hier Hirnschädigungen möglich sind", so Lagemann. Weitere zehn Prozent sagten, sie hätten zumindest schon einmal "biogene Drogen" - also beispielsweise bestimmte Pilze und ähnliche natürliche Substanzen - ausprobiert. "Die Jugendlichen scheinen hier auf ihre Art die Bio-Welle mitzumachen", meinte dazu der Suchtgiftexperte des Bundeskriminalamtes Wien, Gerhard Stadler.
Ecstasy bevorzugt
Jeweils acht Prozent hatten Kontakt mit Speed und Amphetaminen beziehungsweise schluckten Ecstasy-Tabletten. "Der Trend zu den Amphetaminen nimmt deutlich zu", berichtete Stadler.
Sechs Prozent der jungen Leute im Alter zwischen 15 und 24 Jahren haben "Kokain-Erfahrung", ebenfalls knapp sechs Prozent konsumierten bereits einmal LSD.
Die Erfahrung zeige, so Lagemann, dass vor allem in den mittleren und höheren Schulen das Probieren von Drogen verbreitet sei. "Probieren" müsse differenziert gesehen werden: "In vielen Fällen bleibt es dabei, nicht selten ist das Probieren aber der Beginn einer Sucht, von der man vielleicht nie mehr loskommt". Und rechtlich gesehen sei auch das Probieren bereits illegal, fügte Stadler an.
(apa/red)
