Angezählt: NEWS zeigt, wie der SP-Chef jetzt kämpfen muss
- Nach Jein zu Haider steht Gusenbauer mehr denn je im Eck
- Gusenbauer: "Eine Legende, dass ich in Rot-Blau involviert war"
Jetzt platzt selbst den treuesten Weggefährten der Kragen: "Gratuliere, Genossen, da liefert ihr in Salzburg und Kärnten sehr gute Wahlergebnisse, und dann diese Debatte. Es fragt sich, ob ihr nicht bei Wolfgang Schüssel in Sachen Verhandlungsführung in die Schule gehen solltet", machte per E-Mail ausgerechnet der Schauspieler Harald Krassnitzer seinem Ärger über Blau-Rot in Kärnten Luft. Das berichtet das aktuelle NEWS.
Jener Krassnitzer, der als Promi-Testimonial flächendeckend für das Pensionsreform-Volksbegehren und für Heinz Fischers Wahlkampf wirbt, der ein Gusenbauer-Weggefährte der ersten und der nach der Wahlniederlage 2002 schwersten Stunden war, geht ähnlich wie Gusenbauer-Freund André Heller nach dem roten Eiertanz um Blau-Rot in Kärnten auf kritische Distanz.
Chaos in der SPÖ
Die Hellers und Krassnitzers dieses Landes, die lange mit Gusenbauer heftigst sympathisierten, sind nicht die Einzigen, die an sich selbst und vor allem am großen Vorsitzenden immer heftiger zweifeln. Denn es regiert das blanke Chaos in der SPÖ, seit vor fast zwei Wochen Jörg Haider und Peter Ambrozy mit Chianti auf ihr Arbeitsübereinkommen für Kärnten anstießen und die SP-Spitze, von der der Wiener Bürgermeister Michael Häupl via NEWS ultimativ mehr Entschlossenheit fordert, mit höchst widersprüchlichen Signalen zu agieren begann.
Die Reaktionen auf Gusenbauer-Schwenks von der vorsichtigen Begrüßung von Blau-Rot in der Vorwoche bis zur aktuellen Zustimmung zur Häupl-Linie, der Pakt mit Haider sei ein "schwerer Fehler", fallen höchst kritisch aus: Empört ist etwa Exkanzler Franz Vranitzky, der Klubchef Josef Cap wegen seiner Kritik an Frankreichs Pierre Moscovici gar in die Nähe des Waldheim-Sagers von Michael Graff rückte.
Andere üben sich in Rückzugsgefechten, wie eben Cap, der nun NEWS gegenüber meint, sein Sager von der Einmischung des Herrn Moscovici sei Ausdruck der Enttäuschung darüber gewesen, dass Moscovici nicht, wie unter Freunden üblich, per E-Mail, Brief oder Telefonat vorher bei uns angefragt hat, weil ich ja der Meinung bin, dass Rot-Schwarz-Grün ohnehin die bessere Koalitionsvariante in Kärnten gewesen wäre.
Andere wie Gabi Burgstaller und Erich Haider ergehen sich überhaupt nur noch in trotzigem Schweigen: Die Salzburger Wahlsiegerin lässt ausrichten, sie sei mit ihren rot-schwarzen Verhandlungen ausgelastet, Haider meint, dass er derzeit sein Pensions-Volksbegehren pushen, dann Heinz Fischer im Wahlkampf helfen und im Übrigen einen Muskelfaserriss auskurieren wolle. Und ein Zyniker aus dem SP-Präsidium erklärt zu Gusenbauers Haltung schlicht: Weil wir halt die personelle Breite nicht haben, fängt der Vorsitzende an, sich selbst zu widersprechen, damit es eine lebendige Debatte in der SPÖ gibt.
Vendetta für Chianti-Koalition
Da wusste er noch nicht, wie Recht er bald bekommen sollte: In der SP-Zentrale ist nunmehr Ambrozy-Bashing en vogue. Hatte man nach dem Karawankenbären-Vergleich des Wolfsberger Bürgermeisters Gerhard Seifried unmittelbar nach der Kärnten-Wahl noch jede Rücktrittsaufforderung an Ambrozy ins Reich der Geschmacklosigkeit verwiesen, ist nun nachdem Ambrozy erklärt hat, Gusenbauer sei voll in die nächtlichen Verhandlungen und in die Chianti-Koalition mit Jörg Haider eingebunden gewesen beim SP-Chef das Gegenteil angesagt. Die SP Kärnten werde personell erneuert und, neu in der Argumentation: "Es ist ein Märchen, dass ich eingebunden war. Ich wusste, dass Freitag verhandelt wird, bin aber nach einer Veranstaltung in Stinatz nachhause gefahren und schlafen gegangen. Vom Abschluss habe ich Samstag früh erfahren."
(NEWS)
