Haider sorgt für Polit-Wirbel: SPÖ-Chef war für Blau-Rot!
- Gusenbauer widerspricht: "Es gab keine Ermunterung" - Haider habe "ein Problem"
- SPÖ-Chef in NEWS: "War weder telefonisch noch real Teil der Verhandlungsmacht"
Was hat Gusenbauer wem gesagt - und was nicht? Kärntens Jörg Haider sorgte für SPÖ-Wirbel rund um Blau-Rot in Kärnten. Er berichtete von einem Telefonat mit dem SPÖ-Chef vor der FP-SP-Verhandlungsrunde. Dabei habe dieser positiv auf eine mögliche Zusammenarbeit reagiert. Gusenbauer sagte, er sei "weder telefonisch noch real Teil der Verhandlungsmacht" gewesen. Er meinte, der Kärntner Landeschef habe "ein bisschen ein Problem". Denn er habe an eine Koalition auf Bundesebene geglaubt - die es aber nicht geben werde.
"Die Haltung Gusenbauers war so eindeutig, dass wir ermuntert waren, einen Abschluss anzustreben", sagte Haider eine Woche vor der konstituierenden Sitzung des Landtages. Man sollte deshalb jetzt nicht von einem "Sonderfall Kärnten" sprechen, meinte Haider.
"Peter Ambrozy hat das getan, was seine Partei in Wien als machbar angesehen hat," sagte Haider. Er wolle zwar nicht den "Verteidiger Ambrozys" spielen, "aber die Wahrheit muss gesagt werden".
"Kalte Füße"
Wie Haider weiter versicherte, sei er auf Grund seines Telefonates mit dem SPÖ-Bundeschef auch nicht überrascht von dessen ersten Reaktionen auf die blau-rote Einigung gewesen. Nach und nach hätten aber "einige kalte Füße bekommen".
Wann das Telefonat mit Gusenbauer konkret stattgefunden hat, konnte Haider nicht mehr sagen. "Es war entweder am Tag der Parteienverhandlungen oder am Abend davor". FPÖ und SPÖ hatten sich in der Nacht auf den 13. März in einem zwölfstündigen Verhandlungsmarathon auf die Koalition geeinigt.
"Fleißig arbeiten"
Der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider erteilte am Mittwoch allen Kritikern an der blau-roten Zusammenarbeit in Kärnten eine Absage. Es stünden mehr als 80 Prozent der Wähler hinter der Koalition und daher gebe es den klaren Auftrag, fleißig zu arbeiten. Haider: "Die Intriganten werden wieder zurückkehren in ihre Höhlen."
Im Anschluss an die letzte Regierungssitzung dieser Legislaturperiode sprach Haider von einer "sehr partnerschaftlichen Koalition", die voll handlungsfähig sei. Damit werde es "keine Ausrede geben, nicht erfolgreich zu sein".
Gusenbauer: "Keine Ermunterung"
Gusenbauer stellte klar, dass es seinerseits "keine Ermunterung" im Hinblick auf die blau-rote Koalition in Kärnten gegeben und er "keinerlei Einfluss auf die Verhandlungen" gehabt habe.
SP-Chef: Haider hat "ein Problem", weil keine Übertragung auf Bundes-Ebene
"Ich habe (Haider und die Kärntner FPÖ) nicht ermuntert, ihr Arbeitsübereinkommen zum Abschluss zu bringen", sagte der SPÖ-Vorsitzende Alfred Gusenbauer Mittwoch Abend in Brüssel. Vor Beginn ihrer Verhandlungen hätten der Kärntner Landeshauptmann Jörg Haider (F) und Kärntens SP-Chef Peter Ambrozy lediglich "angerufen und informiert, dass jetzt die Verhandlungen beginnen", erinnert sich Gusenbauer.
Er sei schließlich "erstaunt" darüber gewesen, dass die Verhandlungen nach so kurzer Zeit beendet waren. Den Kärntner "Freunden" habe er empfohlen, Haider nicht aktiv zum Landeshauptmann zu wählen, keine Koalition abzuschließen und alle Behandlungsmöglichkeiten mit anderen Parteien auszuschöpfen.
Zur Aussage Haiders, er habe sich von Gusenbauer zum Abschluss des Arbeitsübereinkommens ermuntert gefühlt, sagte Gusenbauer in Brüssel: "Ich glaube, er (Haider, Anm.) hat ein bisschen ein Problem. Er hat sich vorgestellt, dass aus dem jetzt eine große österreichische Geschichte wird und das ist aber nicht der Fall".
(apa/red)
